Projektion in der Psychologie

Wiedermal ein Thema aus der Psychotherapie. Diesmal geht es um eine Leinwand.


Bild von Bruno Glätsch auf Pixabay

Diese Leinwand ist bei betroffenen Menschen immer da, sie selbst merken sie aber nicht. In Anwesenheit anderer fährt diese Leinwand herunter und zeigt dem Betroffenen einen Film. Einen Film, der ihm die andere Person zeigt. Allerdings ist dieser Film nicht realistisch, denn er zeigt die andere Person mit den Werten und Vorstellungen des Betroffenen. Wie ein Spiegelbild. Der Betroffene merkt das nicht, der Film ist für ihn logisch und nachvollziehbar.
In Wirklichkeit benimmt sich die andere Person aber meist ganz anders, und dann ist der Betroffene wirklich betroffen, denn das hat er nicht erwartet und kann damit oft nicht gut umgehen. Die Leinwand begrenzt seinen Horizont so stark, dass die Vorstellungskraft über die eigenen Verhaltens- und Denkweisen nicht hinausgeht.

So entstehen viele soziale Probleme, ob im Umgang mit Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen oder Vorgesetzten. Auch in der Familie kann es zu kompletten Brüchen führen, wenn ein oder mehrere Beteiligte eines Konfliktes so eine Leinwand mit sich herumtragen.

Es ist natürlich klar, dass diese Leinwand abgeschafft werden muss. Nur so bekommt man einen freien Blick auf die Realität. Leider kann man das nur bei den eigenen „Filmen“ tun. Andere müssen entweder selbst auf die Idee kommen, dass sie so eine Leinwand haben, oder weiterhin „in ihrer eigenen Psychosuppe schwimmen“.

Einige sehr gute und anschauliche Beispiele für solche Projektionen (so wird der Film auf der Leinwand in der Fachsprache genannt, deshalb auch der Titel dieses Beitrages) habe ich auf dieser Seite gefunden. Ganz unten im Beitrag stehen auch ein paar hilfreiche Fragen, wie man sich selbst auf die Schliche kommen kann, nämlich:
„Was hat das eigentlich mit mir zu tun?“
„Werfe ich dem anderen gerade vor, was ich selbst in mir trage oder sogar lebe?“
„Oder werfe ich dem anderen etwas vor, was ich mir selbst nicht erlaube?“
„Oder werfe ich dem anderen etwas vor, dass er etwas hat oder kann, was ich nicht habe oder kann?“

Etwas trockener ist die Erklärung auf Wikipedia, da finde ich u.a. die Querverweise sehr aufschlussreich.

Natürlich habe ich dieses Thema nicht ohne Grund beschrieben. Bei mir rollt sich auch sehr oft diese Leinwand herunter. Der Film ist dann toll, aber die Realität eine Enttäuschung. Ich werde dieses „Was hat das eigentlich mit mir zu tun?“ zu meinem Mantra machen, das auf die Dauer die Leinwand überflüssig machen soll. Wie hinderlich sie ist, habe ich oft genug erlebt – es ist Zeit, etwas zu verändern.

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