Meine Nierengeschichte: Die OP für die Bauchfelldialyse

Bevor ich ins Krankenhaus kam, waren erst noch 2 Termine fällig.
Einmal beim Anästhesisten, der mich über die Narkose aufklärte.
Außerdem beim Chirurgen, der mich über die bevorstehende OP aufklärte und meinen Bauch bemalte. Für die Festlegung, an welcher Stelle mein Katheter aus dem Bauch austreten sollte, musste er wissen, wo sich gewöhnlich mein Hosenbund befand. Dort bekam ich einen Strich waagerecht über den ganzen Bauch. Auf der linken Seite, unterhalb des unteren Rippenbogens, aber oberhalb des Striches, kam ein Kreuz hin. Dort würde der Katheter rauskommen.
Ich hatte zu all dem keine Meinung. Es würde meine erste OP sein (aber eine vergleichsweise kleine) und mein Bauch würde nie wieder so aussehen wie vorher. Ich hatte einen sehr schlanken Bauch, um den mich viele beneideten. Plötzlich war mir das wichtig und ich wurde etwas traurig. Dass der Katheter auch weiter unten im Bauch vernäht werden würde und dafür ein weiterer Schnitt nötig war, habe ich wohl gar nicht realisiert. Mein Bauch war mit der Bemalung schon nicht mehr meiner.

Den restlichen Verlauf des Krankenhausaufenthalts habe ich etwas später in einem Tagebuch zusammengefasst, das ich hier mal verewige. Heute ist es genau 10 Jahre her, dass ich ins Krankenhaus fuhr.

Tag 1 (Montag, 17.08.09): Im Nierenzentrum wurden, wie üblich, alle möglichen Voruntersuchungen gemacht. Dazu gehörte auch ein Ultraschall vom Unterleib. Außerdem wurde die Stelle festgelegt, an der später mein Schlauch aus dem Bauch rauskommen sollte. Am späten Nachmittag erfuhr ich meinen Operations-Termin: Nächster Tag, 7.30 Uhr.

Tag 2: Am Morgen ging es mir ziemlich gut, ich war gespannt, aber nicht nervös. So fuhr ich mit dem Taxi in das Krankenhaus, in dem die OP durchgeführt werden sollte. Außer „neuer Kleidung“ und einem Bett bekam ich eine Beruhigungstablette. So verschlief ich den Vormittag, bekam noch eine Beruhigungstablette und wurde 12.10 Uhr endlich in Narkose versetzt.
Ich wachte gegen 13.30 Uhr auf und noch im Dämmerzustand lallte ich „Unterleibsschmerzen“. Ich bekam sofort eine Spritze dagegen.
Dann wurde ich schnell wach und wurde etwas später mit dem Krankenwagen zurück ins Nierenzentrum gefahren. Auf diese Fahrt hätte ich gerne verzichtet… Das Geschaukel auf der Liege war sehr schmerzhaft. Immerhin war mein Bauch aufgeschnitten und wieder zugenäht!

Endlich in meinem Krankenbett angekommen, verschlief ich fast den Rest des Tages. Ich hatte ein kleines Päckchen auf meinem Bauch, das festgeklebt war und unter dem mein Bauch etwas weh tat. Weiter unten hatte ich auch einen Verband. Alles tat weh, wenn ich mich bewegte. Also bewegte ich mich lieber nicht oder nur gaaanz langsam und vorsichtig.

Ich hatte bei der OP meine Regelblutung bekommen, durfte nicht aufstehen, musste mir also von Schwestern und Pflegern die Bettpfanne bringen und die Vorlagen wechseln lassen. Auch auf diese Erfahrung hätte ich im Nachhinein gerne verzichtet.

Gegen meine Schmerzen bekam ich Novalgintropfen, die mir sehr gut halfen.

Tag 3: Die Schmerzen waren nicht mehr so schlimm und nicht gleich bei jeder Bewegung vorhanden. So wurde mein Bauch geröntgt. Hierfür musste ich mich selbst von meinem Bett auf eine Liege hieven, das löste doch wieder Schmerzen aus und Übelkeit. Dafür war der Röntgenbefund aber prima. Alles in Ordnung.

Ich durfte ab mittags versuchen aufzustehen. Das war keine gute Idee. Auf der Toilette angekommen, durchfuhr mich ein Schmerzschub, durch den ich fast kollabierte. Schlagartig war mir speiübel. Ein Pfleger zauberte in Windeseile einen Spuckbeutel hervor, half mir zurück ins Bett und dann bekam ich eine Paracetamol-Spritze. Die holte mich zu den Lebenden zurück. Der Erfolg des Tages: Auf dem Bett sitzen ohne Übelkeit.

Tag 4: Der Toilettengang ohne Hilfe war möglich. Die Dialyseschwester, die mir die Handgriffe des Beutelwechselns beibringen sollte, stellte sich mir vor.

Ich hatte keine Lust mehr auf die Thrombosestrümpfe und begann zu „laufen“. Nach 10 Metern konnte ich nicht mehr vor oder zurück. Eine Schwester gab mir einen Rollator. Ich lief 5 Schritte, ruhte aus, lief 5 Schritte… Mein Bauch zwickte und zwackte. Es fühlte sich an wie eine Blasenentzündung. Aber ich wollte die Strümpfe nicht mehr anziehen, es war so warm…

Tag 5: Morgens wurde mir mein Untersuchungsplan mitgeteilt. U.a. Belastungs-EKG und Frauenarzt. Das waren notwendige Untersuchungen, um auf die Transplantationsliste zu kommen. Aber ich sah mich außerstande, mit einem Taxi durch die Gegend fahren zu können. Und ein Belastungs-EKG, wo ich gerade schrittweise anfing zu laufen??? Eine Frauenarztuntersuchung, wo mir mein gesamter Unterleib schmerzte?

Ich lehnte nachdrücklich ab und stellte klar, dass ich vor dem kommenden Montag zu keiner Untersuchung gehen würde. Und selbst dafür nahm ich mir das Recht heraus, fallweise ablehnen zu können. Hierbei hatte ich die Rückendeckung meines Arztes, der mir zu diesem Vorgehen geraten hatte. Ich konnte die Untersuchungen später alle noch ambulant machen lassen.

Am Nachmittag bekam ich die erste Vorführung eines Beutelwechsels, allerdings nicht an meinem Bauch, sondern eine Trockenübung. Ich war sehr optimistisch, dass ich das schaffen könnte.

Abends wieder Laufübungen. Und der Bauch tat weh, besonders unten an der Blase. Jedoch machten mir Schwestern und Ärzte Hoffnung, dass sich das mit der Füllung im Bauch geben würde. So hoffte ich denn inständig, dass die Füllung recht bald hineinkäme.

Tag 6: Warten auf die Füllung, Laufübungen mit Rollator. Inzwischen schon eine Stunde lang, aber mit Pausen.

Tag 7: Endlich! Das „Päckchen“ auf meinem Bauch wurde geöffnet, ich sah „meinen Schlauch“ zum ersten Mal. Und um 14 Uhr wurde ich zum ersten Mal an das Beutelsystem angeschlossen. Aus meinem Schlauch kam ziemlich viel Blut gelaufen… Da war sogar die Dialyseschwester erschrocken. Sie holte sofort einen Arzt, der dann aber Entwarnung gab. Eindeutig OP-Blut, keine Verletzungen.
Dann wurden 500 ml Dialyseflüssigkeit eingelassen. Mit großer Spannung lauschte ich in mich hinein… aber nichts geschah. Ich spürte es einfach nicht. Ich war erleichtert, zufrieden, glücklich!

Nach 6 Stunden ging es weiter. Es kam eine Schwester zu mir und schloss mich an das System an. Ablassen, einlassen, Protokoll ausfüllen. Beim Auslassen zwickte es wieder sehr stark im Unterleib, aber ich biss die Zähne zusammen.

Danach machte ich wieder meine Laufübungen, das letzte Mal mit Rollator.

Tag 8 (wieder Montag): 2 Uhr weckte mich eine Schwester zum Beutelwechsel. 5.30 Uhr wollte jemand von mir, dass ich um 8 Uhr zum Belastungs-EKG gehe. Ich weigerte mich. Ich wollte meinen pünktlichen Beutelwechsel. Außerdem wollte ich keine Belastung, denn mein Bauch gab im Normalfall langsam Ruhe und ich hatte genug von den Schmerzen. Das Belastungs-EKG wurde nun komplett gestrichen, dafür andere Untersuchungen auf die Tagesordnung gesetzt.

Die Beutelwechsel verliefen normal, unter Anleitung der Dialyseschwester machte ich das nun selbst. Beim ersten Mal war ich super nervös und hätte wahrscheinlich alles falsch gemacht, wäre ich nicht immer wieder korrigiert worden!

Beide Verbände wurden abgenommen, direkt darüber eine durchsichtige Folie geklebt. Dann wurde ein Ultraschall gemacht, bei dem alles sehr gut aussah, wie der Arzt sagte.

Abends lief ich auf dem Flur am Handlauf entlang, ohne Rollator. Trotz Blasenzwicken. Die Schwestern grinsten… sie wussten, dass ich nach Hause wollte.

Tag 9: Transplantationsuntersuchungen. – Die Beutelwechsel habe jetzt jedes Mal selber durchgeführt, aber immer unter Aufsicht einer Schwester oder eines Pflegers. Es zeigte sich, dass das neue System schon wieder einige Änderungen mit sich brachte, von denen der Pfleger noch nichts wusste.

Abends einige Schritte ohne Handlauf. Nach wie vor Schmerzen. Tee holen war die Herausforderung des Tages.

Tag 10: An diesem Tag wurden zum ersten Mal 1000 ml Dialyseflüssigkeit eingefüllt. Das machte sich beim Bewegen gleich bemerkbar, denn das Zwicken ließ spürbar nach. Ganz weg war es nicht, aber sehr viel erträglicher. Allerdings konnte ich vorerst kaum noch etwas essen – die Haut an den Seiten spannte mit der Füllung im Bauch ungeheuer.

Eine der Transplantationsuntersuchungen war der Zahnarzt. Die Procedur war äußerst schmerzhaft und ich wurde behandelt wie eine abzuarbeitende Nummer. Kein Verständnis, kein Einfühlungsvermögen, keine Geduld. Meiner Angst vor Zahnärzten war das äußerst zuträglich. Ich erfuhr, dass ich bald einen Zahn ziehen lassen musste. Meine Augen waren dafür in Ordnung, brachte die Untersuchung beim Augenarzt zu Tage.

Die Dialyseschwester zeigte mir, wie ich meinen Verband am Exit (die Stelle, an der der Schlauch aus dem Bauch rauskommt) wechseln musste.

Das Laufen am Abend ging super! Ich traf dabei meine Ärztin, die mir verriet, dass ich am nächsten oder übernächsten Tag entlassen werden könnte.

Tag 11 (Donnerstag, 27.08.09): Entlassungstag!

Die Dialyseschwester zeigte mir „noch schnell“, wie ich meinen Exit pflegen musste.

Dann packte ich meine Sachen und wurde abgeholt. Ich war zwar etwas nervös, wie der erste Anschluss zu Hause (zum ersten Mal ohne Aufsicht) klappen würde, aber ich wollte endlich in mein gewohntes Leben zurück und in die Freiheit!

Nachbemerkung: Natürlich hatte ich mit anderen Patienten Kontakt. Zum Glück sprach ich zuerst mit jenen, die selbst die Bauchfelldialyse gemacht hatten. Ich hörte nur Gutes. Zum Schluss traf ich auch die, die Horrormeldungen verbreiteten… Ohne Worte.

Zu Hause erwarteten mich das inzwischen gelieferte notwendige Equipment samt Verbrauchsutensilien. Das war eine blöde Organisation, das am Tag der Entlassung zu bringen! Die Lieferfirma war da leider sehr unflexibel. So erlebte ich etwas Chaos gemischt mit der Aufregung des ersten Beutelwechsels ganz allein.

Im nächsten Beitrag erzähle ich euch aber erstmal, was diese Bauchfelldialyse überhaupt ist und wie das bei mir zu Hause aussah.
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