Wörter und Worte: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“


Bild von rawpixel auf Pixabay, Bearbeitung von mir

Heißt es nun „mahlt“ oder „malt“? Bloggerin Jaqueline verlinkte vor einigen Tagen eine Seite (bezüglich eines anderen Sprichworts), deren Redakteure das mit dem Ma(h)len auch nicht zu wissen scheinen. Es herrscht wohl eine gewisse Unsicherheit. Ich danke Jaqueline für die ungewollte Inspiration zu diesem heutigen Beitrag!

Als ich noch klein war, dachte ich immer, wer früh kommt, hat noch viel Zeit zum Malen, bevor der normale Tagesablauf losgeht. Aber natürlich ist das nur ein Kindergedanke.

Tatsächlich ist dieses Sprichwort schon sehr, sehr alt und handelt von einer Mühle und damit von dem Mahlen, mit h. Irgendwann zwischen den Jahren 1220 und 1235 wurde es zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Damals wurde es noch in Mittelniederdeutsch geschrieben und hieß

Die ok irst to der molen kumt, die sal erst malen.

Das bedeutet relativ wörtlich:
„Der (zu)erst zu der Mühle kommt, der soll (zu)erst malen.“
Daraus wurde im Laufe der Jahre das geflügelte Wort, das wir heute kennen, auch wenn der Bezug zur Mühle, wie wir gesehen haben, langsam in Vergessenheit gerät.

Bild von Karsten Paulick auf Pixabay

Festgelegt wurde diese Regel im Zuge einer ganzen Mühlenordnung, die zusammen mit anderen Regeln und Gebräuchen, eben dem damaligen Recht, erstmals niedergeschrieben wurde. Der „Sachsenspiegel“ (er spiegelte das geltende Recht im damaligen Sachsen wieder) ist eins der beiden ältesten bekannten Rechtsbücher im deutschen Mittelalter.

Müller galten damals als „unehrlich“, d.h. sie waren ehrlos. Ihnen wurde nachgesagt, sie würden falsch wiegen, falsch bezahlen, betrügen, das Mehl verunreinigen (strecken) und gewisse Leute bevorzugen (z.B. Fürsten oder wer sonst von höherem Stand war und nützlich sein könnte). Einfach einen anderen Müller aufsuchen konnte man nicht, denn es galt ein Mahlzwang. D.h. alle Untertanen eines Grundherren durften nur dessen Mühle benutzen.

In der Mühlenordnung wurde nun streng festgelegt, welche Rechte und Pflichten ein Müller einzuhalten hatte. Nach der Festlegung der Regel „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ mussten sich auch die Bediensteten der Fürsten hinten anstellen und warten, bis sie an der Reihe waren.

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