Es war einmal in Tunesien

…da machte ich mit meiner damaligen, etwas abgedrehten Studienfreundin dort drei Wochen lang Urlaub. Weihnachten und Neujahr waren ein Erlebnis!

Tunesien war damals erst seit wenigen Jahren (zwei oder drei?) mit Tourismus in Berührung gekommen, entsprechend provisorisch war dort alles. Vor allem das Hotelessen, das bemüht europäisch und kaum genießbar war. Als Studenten hatten wir aber sowieso einen etwas verschobenen Tagesablauf, bewunderten in der Lobby den Sonnenaufgang über dem Meer und gingen dann ins Bett. Die Frühstückskellner bekamen uns jedenfalls nie zu sehen.

So um eins rum am Mittag wurden wir dann wach und machten uns langsam fertig. Wir hatten Halbpension gebucht, also gab es kein Mittagessen. Aber dafür gab es Ismail!

Ismail war ein Tunesier, der in Frankfurt studiert hatte und danach in seine Heimat zurückgekehrt war. Dort hatte er gegenüber des Hotelgeländes einen kleinen Imbiss eingerichtet. Es gab ein paar Vierertische ohne Decken, eine Theke, Fliesen an der Wand und sonst nichts. Oder… DOCH! Deutsche Musik und deutsches Essen! Und so gingen wir jeden Tag zu ihm (er machte 14 Uhr auf), aßen Salami- oder Truthahnbaguette zum „Frühstück“ und hörten Truck Stop. Ismail hatte sich eine Kassette aus Deutschland mitgebracht. Eine! Die lief dann immer.

An der Stelle seines Imbisses gibt es heute wohl ein Restaurant namens „Zum alten Fritz“ (mit Hinweis auf „Ismail’s“ im Reiseführer), noch immer mit deutscher Küche. Auf Google Maps befindt sich an dieser Stelle das „Berliner Restaurant“, aber welches nun aktueller ist (die Maps oder der Reiseführer), weiß ich nicht. Auf jeden Fall scheint was aus Ismail geworden zu sein – im Gegensatz zu dem Hotelkomplex gegenüber, der inzwischen abgerissen ist. Ich habe mich bei beiden wohl und willkommen gefühlt und freue mich, dass es Ismail offensichtlich noch gibt!

Übrigens haben wir auch gerne tunesisch gegessen (wobei es ab und zu ein bisschen sehr scharf war). Couscous in allen möglichen Varianten und einige für mich undefinierbare Mahlzeiten waren äußerst spannend! Am Abend. Nach unserer regelmäßig zu späten Nachtruhe bot sich aber das Frühstück bei Ismail an. Der Weg in die Stadt war zum Laufen viel zu weit! Faules Studentenpack…

In der Erinnerung an Tunesien und an Ismail kommen jetzt zwei Lieder, die dort für mich eine große Rolle gespielt haben.

So, jetzt die Lieder! Erstmal eins, das in jeder Disco und auf jedem Markt und eigentlich überall gespielt wurde:
Cheb Khaled – Didi

Und dann, mit freundlichsten Gedanken an die alten Zeiten bei Ismail:
Truck Stop – Ich möcht‘ so gern Dave Dudley hör’n

Tunesien hat bleibende Eindrücke hinterlassen und ist so ein Thema (in drei Wochen kann viel passieren), da komme ich bestimmt nochmal drauf zurück!