Freitagsfüller #586

Es ist heute etwas spät geworden, aber bei sooo schönem und warmem Wetter wie heute konnte ich einfach nicht am PC sitzen! Also, spät, aber doch – der Freitagsfüller!

1. Ich fühle mich wohl, wenn ich nicht frieren muss.

2. Bei diesem Wetter kann ich mich nur geistig richtig austoben.

3. Alle Bilder von mir aus meiner Jugendzeit sehen einfach furchtbar aus.

4. Meinen Saft trinke ich am liebsten eiskalt.

5. Viel zu schnell wird der Sommer wieder rum sein. Ich habe schon die ersten Dahlien gesehen. Legendär der Spruch meiner längst verstorbenen Oma, der von uns jedes Jahr wiederholt wird: „Die Dahlien blühen! Bald ist Weihnachten!“

6. Die Hitze des Tages ist ausserdem eine Einladung, abends draußen zu sitzen.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf habe ich den Sommertag und -abend auf dem Balkon und überhaupt draußen genossen, morgen und übermorgen habe ich geplant, genau das Gleiche zu tun! Endlich ist Sommer!

Liebe Grüße

Zur Erklärung: Der Freitagsfüller ist ein Lückentext, meine „Füllungen“ sind fett geschrieben. Das Original gibt es wie immer bei Barbara und diesen Freitagsfüller findet ihr eigentlich unter diesem Link, wenn er denn noch kommen sollte.

Mit dem Leiterwagen…

„Mit dem Leiterwagen sind sie in X-Dorf angekommen.“
Mit diesem Satz meiner Cousine kam ein neues Thema in mein Denken, zu dem ich mich bisher nicht zugehörig fühlte.

Wir sind verwandtschaftlich durch ihre Mutter und meinen Vater verbunden, die Geschwister sind. Ihr Vater wurde also „eingeheiratet“ und über diesen Familienzweig wusste ich bis dato nichts. Erst als der Geburtsort von ihm zur Sprache kam, änderte sich das, denn dieser lag in Schlesien.

Dort hatte die Familie gelebt, der Opa war gut begütert und hatte mindestens eine Magd. Aber dann war der Krieg zuende, die Besitzverhältnisse der Länder änderten sich und der Opa, seine Frau, deren Geschwister und alle Kinder mussten weg. Weg – das hieß, dass sie wirklich vertrieben wurden. Es wurde nicht etwa „Geht weg!“ gesagt und sie sollten sich ein neues Zuhause suchen, sondern sie wurden bewacht, dass sie wirklich schnell das Land verließen. Die Kinder des Opas waren damals 9, 6, 5 und 3 Jahre alt.

„Ab und zu durfte jemand aussteigen.“ Das war dann schon in Deutschland und bedeutete, dass eine Familie in dem Ort, durch den der Zug gerade ging, bleiben durfte. Dort begann ihr neues Leben. Für die Familie vom Opa war das X-Dorf. Für die Geschwister der Oma waren das ein Ort in Thüringen, einer bei München, einer im Ruhrgebiet. Die Familie wurde zerrissen.

Heute, wo die Oma schon länger tot ist, kennt niemand mehr ihre Geschwister. Die damaligen Kinder hatten keine Möglichkeit, ihre Onkel und Tanten richtig kennenzulernen, sie blieben immer fremde Leute.

Nun sitzen wir hier mit ganz vielen Namen und Daten und müssen doch einsehen: Dieser eine Familienzweig wird uns verborgen bleiben. Diese Namen kennen wir nicht, unser Andenken gilt Unbekannten. Und so sind wir irgendwie mit drin, in dieser Vertreibungsgeschichte. Der Krieg hat tiefe Wunden gerissen, die auch heute noch sichtbar sind.

12tel Blick Juli 2020

Dieses ist ein Beitrag für die Aktion 12tel-Blick, die ich im Januar bei Alexandra gefunden hatte.

12 Monate lang mache ich von ein und demselben Motiv möglichst genau aus dem selben Blickwinkel in jedem Monat ein Bild. Ich „begleite“ also diese Stelle ein Jahr lang. Wie es genau geht und worauf man achten muss, kann man hier nachlesen.

Ich beobachte eine Baustelle in unserer Gegend. Seit einigen Jahren geplant, wurde schon vor drei Jahren der Grundstein gelegt. Ende Dezember 2019 begann der Bau. Da ich nicht genau wusste, wo genau das Gebäude entstehen soll, habe ich eine Aufnahmeposition gewählt, die möglichst das komplette Gelände abdeckt. So wurde das Ganze auch ein bisschen ein Überraschungsprojekt. Mein Orientierungspunkt war außer dem bestimmten Standort eine Stelle an der Kirche im Hintergrund, die inzwischen fast völlig verdeckt ist. So wird das Anpeilen jedes Mal ein Glücksspiel.

Hier kommt das Bild vom Monat Juli, das zwar am 25. geschossen wurde, aber es war ein Samstag (Sonntag würde sich sowieso nichts tun) und für den nächsten Tag waren Niederschläge angekündigt. Das typische Juliwetter dieses Jahres ist also auf diesem Foto verewigt. Außerdem ist das Haus gelb geworden. Ob das nun so bleibt?

Hier findet ihr die Beiträge zu den vorigen Fotos:
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni

Viel Spaß beim Vergleichen!
Liebe Grüße

Meine Woche (KW 30/2020)

Getroffen: die Frau mit dem weißen Schäferhund und ihrem Mann, den Nachbarn des Jahres 2019, meine Psychotherapeutin

Gemacht: geputzt, Wäsche gewaschen, mit dem neu gefundenen Verwandten gechattet, Frühstück und nachmittägliches Kaffeetrinken auf dem Balkon, kleine Wespe mit Honig gefüttert und beobachtet, Kontoauszüge kontrolliert, meine Schwester besucht, mit meiner Mutter telefoniert, Spaziergänge mit E., mit meiner Tante telefoniert, Online-Psychotherapie, Verwandte in Ahnenprogramm eingegeben, Garten bewässert, Beet gehackt, mit meinem Vater telefoniert, mit meiner Cousine gewhatsappt, ganz viele Daten in den PC eingegeben, fotografiert, mit meiner Cousine telefoniert

Gewesen: zu Hause, im Autohaus

Gesehen:
– Filme und Serien: „Columbo“ (Serie), „Schimanski: Tod in der Siedlung“ (ein Teil aus einer losen Filmreihe)
– Natur: einen Zitronenfalter, einen Schwarm Krähen, Kohlweißlinge, durstige Wespen, Hummeln an den Geranien, Elstern, Tauben, herrliche Farben am Himmel nach dem Sonnenuntergang
– Sonstiges: die Nachbarsfamilie, den Nachbarn aus dem Nachbarhaus auf dem Nachhauseweg, die Familie von schräg oben

Gehört: Baulärm, Schwalben, Spatzen, Tauben, den mobilen Verkaufswagen (hat Kaffeestückchen und belegte Brötchen, spielt „La Cucaracha“), Grillenzirpen

Gerochen: Katzenpipi, frisches Heu, Grillduft

Gelesen: noch mehr über Ahnenforschung

Gespielt: „Clockmaster“ (Handy), „BlockDoku“ (Handy)

Gegessen: selbst gemacht: wieder nix, keine Lust / bestellt/geholt: auch nix, brauchten wir nicht  / aufgewärmt: Pizza Salami (hatte schon bessere), Farfalle mit Gemüse und Hähnchenfleisch, Lasagne / Sonstiges: Toast mit Honig, Kekse und Waffeln, Wackelpudding

Genascht: Duplo, Fruchtbonbons, Nimm 2, NicNacs

Getrunken: Kaffee, ACE-Saft, Wasser

Gekauft: eine Lizenz für ein Ahnenblatt-Programm

Gesucht: mehr Verwandte

Gefunden: ganz viele Verwandte – die Geister, die ich rief…!

Gefühlt:
– negativ: traurig, geschockt, ernüchtert
– positiv: entspannt, zufrieden, beachtet, tatendurstig, respektiert

Gelacht: Ja

Geweint: nein

Gelitten: Diese Woche habe ich nicht gelitten. Wow!

Genossen: Ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe.

Gefreut: über das Interesse einiger Familienmitglieder an ihrem Ahnenblatt und ihre Hilfsbereitschaft

Geärgert: über das Verschweigen der Demenz meiner Tante

Gefragt: Verschweigt meine Mutter mir Sachen, weil sie auch zu den anderen keine Bindung hat? Oder weil sie sie vergisst?

Gedacht: Ich will den Leuten nicht immer alles aus der Nase ziehen. Sie können ruhig mal freiwillig erzählen.

Gemessen: die Höhe vom Platz im Schrank

Geplant: Retten, was zu retten ist. Fragen, was zu fragen ist.

Fazit: Eine Woche der sozialen Kontakte. Ich fühle mich sehr gut damit!

Die Idee für diesen Rückblick habe ich bei LutzBs Blog Magic Landscapes gefunden. „Meine Woche“ ist für mich zu einer Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsübung geworden. Das Ausfüllen hilft mir dabei, mich erinnern zu können und ein besseres Ich-Gefühl zu haben. Danke für die Inspiration, Lutz!