6 Schwestern

Mit ihnen fing alles an. Meine Oma war eine von ihnen und eine meiner frühen Kindheitsübungen war, die Namen der anderen fünf Schwestern zu lernen, von denen einzelne Portraitfotos an der Wand hingen. Eine war schon tot und die anderen lebten unerreichbar im Westen. Naja, nicht ganz, denn besonders in den 70-er Jahren besuchten sie ihre Schwester öfter mit Kind und Kegel und sie fuhr auch ab und zu hin.

Als 1989 die Mauer fiel, begleitete ich meinen Vater nach Bayern, für 2 Tage blieben wir dort bleiben. Mir begegneten unsagbare Herzlichheit und viiiele Menschen, die alle mit mir verwandt waren. Unglaublich… Ich wusste, ich müsste das aufschreiben, wer das Kind von welchem Kind einer dieser oben genannten Schwestern war. Aber ich tat es nicht und so gerieten die Menschen und die Verwandtschaftsverhältnisse wieder in Vergessenheit. Trotzdem suchte ich immer wieder mal bei Facebook, ob ich nicht doch noch jemanden finden könnte.

Nachdem ich nun letzte Woche auf den „Jungen“ stieß, der auf einem alten Foto mit mir zu sehen war (damals 3 Jahre alt, heute mit Bart und Glatze), und dieser mir von seinen Brüdern erzählte, begann ich endlich aufzuschreiben. Ich hatte mir in der Vergangenheit auch immer mal Notizen gemacht und in eine Schublade gesteckt. Diese Zettelchen kramte ich nun raus und versuchte, alles irgendwie sinnvoll zu sortieren. Aber am Ende ging es nicht ohne spezielles Programm dafür, das praktischerweise auch eine Ahnentafel erstellen kann.

Im Zuge dessen lebten auf einmal die Kontakte zu meiner Schwester, meinen Eltern, Verwandten in Bayern, einer Tante und einer Cousine auf. Wer davon hörte, kramte in den Erinnerungen und eigenen Notizen und ließ sich vom Forschungsfieber anstecken. Wann hatte denn der lange verstorbene Uropa Geburtstag?

Leider musste ich bei besagter Tante, die ich vor eineinhalb Jahren zuletzt gesehen hatte, feststellen, dass sie gar nichts mehr weiß. Eigentlich hatte ich sie angerufen, um ihr vom Tod ihres Onkels in Bayern zu berichten. „Das weiß ich, ich habe ja noch viele Kontakte dorthin!“ – „Aha, und wer hat dir das erzählt?“ – „Die… die…, hm. Wer hat mir das nochmal gesagt… Die… Hmmmm…“ Mir schwante Schlimmes. „Ach, das ist auch nicht so wichtig, Hauptsache, du weißt es.“ Und dann versuchte ich, irgendwas von ihr zu erfahren. Geburtstage oder sowas. Keine Chance. Am Ende gab sie mir Telefonnummern und ich nahm sie, um ihr ein Erfolgserlebnis zu verschaffen. Außerdem… Wer weiß, ob ich sie mal brauchen würde.
Meine Tante ist dement, ganz offensichtlich. Ich war geschockt und sprach meine Mutter darauf an. „Ja, das zeichnet sich schon seit zweieinhalb Jahren ab.“ Und wieso sagt mir das dann keiner?

Immerhin kamen dann so einige Informationen ans Licht und meine Mutter war auch eine gute Lesehilfe (hihi) für die alten Unterlagen. „Der Standesbeamte hatte eine Sauklaue!“ Ja, deswegen musste sie das für mich „übersetzen“.

Es stellte sich bei dem Ganzen heraus, dass mir eine Hochzeit eines Cousins nicht mitgeteilt wurde, dass ein anderer Cousin in Bälde Nachwuchs erwartet, seine Schwester zwei Kinder hatte, von denen ich zwar wusste, aber nicht, dass sie vorher geheiratet hatte und einen anderen Namen führte.

Wenn es also am Telefon heißt, es gibt nichts Neues, kann es trotzdem sein, dass sich Krankheiten entwickeln, Hochzeiten stattfinden und Kinder unterwegs sind.

Die 6 Schwestern habe ich übrigens noch immer nicht ganz sortiert. Ich kenne nur die Lebensdaten von 4 von ihnen. Über eine habe ich noch gar nichts erfahren und die letzte Lebende werde ich wohl selbst kontaktieren müssen, um ihr Geburtsjahr zu erfahren. Naja, und wenn Kinder da sind, hängen ja immer noch die Männer dran… Es liegt noch viel Arbeit vor mir! Aber wenn ich jetzt nichts mache, sterben die letzten Wissenden und dann geht ein großes Stück Familiengeschichte verloren.

Ein neues Kapitel in meinem Leben ist aufgeschlagen, um altes Wissen um meine Herkunft zu bewahren.

28 Kommentare zu „6 Schwestern

  1. Bei den sieben Brüdern meiner Großmutter muss ich mich immer anstrengen, dass ich Namen und auch Fotos zusammenbringe. Dann deren Töchter und Enkelinnen und der eine Enkel, außerdem gibt es jetzt noch einen Urenkel… Mein Vater hat auch in seiner Generation noch Cousins und Cousinen gefunden, aber zu besteht nun gar kein Kontakt mehr. Ich frage meine Mutter nach Erinnerungen und schreibe sie manchmal ins Blog.

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    1. Bei dir sind es dann die Großcousins und Großcousinen, so ist das bei mir auch. Nur haben die auch schon wieder Kinder, bei denen es vielleicht schon Nachwuchs gibt… Es besteht auch bei uns oft kein Kontakt mehr, das verläuft sich mit den Generationen. Ich sammle halt so viel, wie ich kann, da setze ich mich nicht unter Druck.
      Oh ja, solche Erinnerungen sind auch wertvoll, sie erzählen von den Menschen und ihrer Zeit!
      Lieben Gruß
      die Hoffende

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  2. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich auch mit Genealogie. Plötzlich ist man mit hunderten Menschen irgendwie verwandt. Trotzdem habe ich erst voriges Jahr ein Buch vom Cousin meines Vaters entdeckt. Daraus erfuhr ich, dass die Familie in zwei Parteien aufgespalten war und ich mit der Hälfte des Dorfes bei meiner Oma verwandt war. Der Kontakt zur anderen Seite wäre mir lieber gewesen.

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    1. Das ist ja total spannend, wenn auch für dich nicht ganz zufriedenstellend. Aber… Ich wäre auch lieber mit den ganzen Bayern aufgewachsen. 😉
      Hast du auch Ämter angeschrieben oder dich nur auf Erzählungen und das Internet konzentriert?

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      1. Mütterlicherseits hatte ich gute Vorarbeit durch meinen Großvater.( inklusive Urkunden). Väterlicherseits hat jemand aus seinem früheren Dorf mal so aus Freude und Interesse für das gesamte Dorf die Daten aufgelistet. Da dort fast jeder mit jedem verwandt war, habe ich dann über ein Genealogie Programm im Internet innerhalb weniger Wochen hunderte Verwandte gelistet bekommen. Mein Mann hatte es schwerer und hat -zig Ämter angeschrieben, mit Erfolg.
        Es hat mit uns etwas gemacht, sich als Teil eines großen Ganzen zu fühlen.

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        1. Ja, so ähnlich geht es mir auch. So viele Verwandte – und ausgerechnet ich mache das jetzt. 😊
          Wahrscheinlich werde ich um die Ämter nicht herum kommen, zu viele Daten sind unbekannt. Aber… Erstmal sortieren, was da ist. 😉
          Danke für deinen Einblick, das beflügelt mich gleich, weil ich nicht allein bin. 😊

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  3. Das klingt nach einer Menge Arbeit, viel Erfolg dabei. Bei uns existiert auch so ein Stammbaum, väterlicherseits. Doch wenn man da mal so richtig nachforscht, dann gäbe es doch ziemlich viele Stränge, die man verfolgen müsste. Spannend ist es ja trotzdem.
    Liebe Grüße, Kaya

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    1. Ja, es kommen immer mehr Leute dazu, da muss man sich entscheiden, entweder alle Personen zu erfassen oder sich auf einen bestimmten Strang zu konzentrieren. Spannend ist es allemal!
      Ljebe Grüße
      die Hoffende

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  4. Guten Morgen liebe Hoffende,

    wow, das ist ja interessant. Hier sind leider die meisten schon gestorben. Und das schon früh. Ich find aber solche Forschungen auch spannend und wünsch dir viel Spass, tolle Erinnerungen und Geschichten.

    Liebe Grüsse
    Alexandra

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    1. Guten Morgen,
      wenn man die ganzen Lebenden „beisammen“ hat, geht es am Ende auch um die Verstorbenen. Insofern kommen alle an die Reihe.
      Schön, dass du wieder da bist! 🙂
      Liebe Grüße
      die Hoffende

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      1. Da hat du recht, ich meinte das mehr weil ich hier keinen mehr fragen kann, also kaum wer. Und da unsere Familie eh total auseinander gerissen ist, würde ich da eh nie mehr was wirklich zusammen bringen können.
        Danke, ich freu mich auch 🤗
        Grüss dich!
        Alex

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  5. Wir hatten das in jungen Jahren auch mal gemacht und sind auf 8000 Personen gekommen. Leider hat der C64 bei der Datenfülle aufgegeben und wir auch. Inzwischen sind unsere damaligen Quellen verstorben und wir lassen es dabei 🤔

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    1. 8000! 🙈 Oh mein Gott, ich glaube, wir haben jetzt 200 oder so. Ich muss „wir“ sagen, weil ich ja weit weg gezogen bin und an meinem ehemaligen Wohnort tatkräftige Unterstützung von meiner Cousine bekommen habe. Das ist sehr praktisch für mich. 😉
      Um eure damalige Arbeit tut es mir echt leid! Aber ich kann mir vorstellen, dass es mit dem C64 auch sehr umständlich war. Wie habt ihr denn da den Überblick behalten? 🤔
      Ich benutze als Quellen auch Fotoalben, Adressbücher im Internet, Mitgliedsausweise und irgendwo flog auch noch eine Heiratsurkunde aus dem 19. Jahrhundert rum… Ich habe ein spezielles Computerprogramme dafür, wo ich die Daten eingeben kann. C64, ich fasse es kaum, hihi! Hut ab, dass ihr so viel damit geschafft habt! 👍
      Liebe Grüße
      die Hoffende

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      1. Es gab damals tatsächlich schon ein entsprechendes Programm dafür. Um den Überblick zu behalten haben wir alles ausgedruckt und eine Wand im Wohnzimmer damit „tapeziert“.
        Aber als zunächst die Daten weg waren, wir gebaut hatten und mein Vater – der mit Feuereifer mitgemacht hatte – gestorben war, verloren wir die Lust und haben alles weggeworfen 😉

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            1. Huch?! Solche Überraschungen sind mir zum Glück erspart geblieben. Es gab beiderseitigen Kontakt und man wusste, wer auf der anderen Seite wohnte. Solche Antisympathien habe ich im engeren Familienkreis erlebt, aber ich bin ja von da weggezogen. Dass sie nun in der Ahnentafel stehen, tut mir nicht weh. 😉
              Hab noch ein schönes Wochenende!
              Liebe Grüße
              die Hoffende

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  6. Sehr interessant. Von Seiten meiner Mutter hat irgendein Verwandter mal einen Stammbaum geschrieben. Davon hat meine Mutter einen Teil kopiert bekommen.
    Da habe ich erstmals durch meine Mutter von der Existenz dieser Arbeit erfahren.
    Viel Arbeit von dem Mann und ein spannendes Ergebnis.

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    1. Ja, viiiel Arbeit! 😉 Wahrscheinlich habt ihr den Teil bekommen, der euren Familienzweig betrifft. So werde ich das am Ende auch machen, sonst wird es einfach zuviel für den Einzelnen. Aber es ist wirklich sehr, sehr interessant. Und es tritt auch die eine oder andere Geschichte zu Tage. 😉

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