Vogelgeschichten

Es fing damit an, dass ich in einer neuen Wohnung das Vogelhäuschen einer Vormieterin „erbte“. Seitdem stand oder hing bei mir immer ein Vogelhäuschen rum, meist aber nur als Dekoration.

Nachdem in der Umgebung aber immer mehr Wildnis verschwindet (Brachland wird zugebaut), sind die Vögel hier spürbar weniger geworden. Das gefällt mir gar nicht, denn ich mag ihre Stimmen sehr, besonders im Frühling, wenn man richtige Konzerte hören kann (na gut, Krähen kann man vielleicht ausklammern, die hört man auch eher im Herbst).

Mit meinen Insektenhotels habe ich ja schon angefangen, u.a. für ein bisschen Nahrung für die Vögel zu sorgen. Langsam gehen die Insekten aber schlafen, und nun wird es Zeit für die Vogelhäuschen. Das alte ist natürlich längst zu Bruch gegangen, also kam ein neues her. Das hängt im Marillenbaum, zusammen mit einer Knödelstation und einer gefüllten Kokosnusshälfte. Ich weiß, dass der Inhalt zum Teil von einem Mäuschen gefressen wurde, das extra den Baum erklommen hat, aber auch das Mäuschen hat Hunger. Seit genug aus dem Häuschen runterfällt, stagniert die Fresserei an der Kokosnuss wundersamer Weise.

Das Häuschen wird mit einer Futtermischung befüllt, die ich selbst zusammengestellt habe. Ein paar Fettflocken mit kleinen Sämereien, Sonnenblumenkerne, wenige Mehlwürmer, ein paar Erdnusskerne. Letztere sind äußerst beliebt! Als ich heute wiedermal Futter nachgefüllt habe, hörte ich es auf der anderen Straßenseite zwitschern. Ich ging ins Haus und guckte um die Ecke zur Haustür raus – zack! – war eine Meise im Baum, sprang ins Häuschen, schnappte sich eine Erdnuss und weg war sie wieder! Ich wurde beobachtet!

Um auch auf dem Balkon ein kleines Erlebnis zu haben und was Gutes zu tun, ist dort die eigentliche Vogelstation mit Tränke (und Badegelegenheit) und verschiedenen Futterebenen. Wie die Ebenen befüllt sind, hat sich im Laufe der Zeit ergeben.

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Elstern meinen Balkon so anziehend finden würden, aber das taten sie! Erst kam nur eine, aber es sprach sich rum, dass es bei mir immer Leckerli gibt. Mittlerweile kommen sie auch öfter zu zweit und ich weiß nicht, ob es immer die selben sind.

Damit sie nicht soviel aus dem Häuschen runterschnicken, „lenke“ ich sie nach unten. Oben ist für sie eher unattraktives Futter.
Auf der Zwischenebene liegen 5 einzelne Erdnusshälften, wenn es „neues“ Futter gibt (Elstern können auch Mengen erfassen, deshalb das kleine Intelligenzspielchen).
Unten in der Schüssel (ein ausgedienter Zimmerbrunnen) ist dann ihre spezielle Mischung drin. Mehlwürmer, Erdnusskerne, zerkleinerte Meisenknödel (die mögen sie nämlich auch, nur mit den runden großen Knödeln kommen sie nicht zurecht) und den „Rest“ aus den Vogelhäusern, wenn die in Abständen durch mich komplett entleert werden. Ja, und jetzt, wo es nachts so kalt ist, gibt es morgens noch ein gekochtes, aufgeschnittenes Ei. Eigentlich sind die Eier schon „abgelaufen“ und wir haben bereits frische Eier gekauft, aber es ist eine gute Möglichkeit, sie trotzdem noch zu verwerten und die Elstern stehen drauf! Sie sind ja räuberisch und fressen auch die Gelege anderer Vögel. (Wenn sie bei mir satt werden, lassen sie die anderen Vögel vielleicht in Ruhe?)

Im Häuschen oben gibt es die selbe Mischung wie in dem vor dem Haus. Nur befindet sich (auf dem Foto schlecht sichtbar) in der Mitte eine Art Container mit Gitter, dort sind auch Erdnüsse eingefüllt. Kleine Vögel kommen ran, die Elstern nicht.

Tja, und so bin ich inzwischen zur Vogeltante geworden. Es macht mir sehr viel Spaß, die Vögel anzulocken und zu beobachten. Okay, beobachten kann ich eigentlich nur die Elstern und die Meisen. Der Hausrotschwanz lässt sich nur hören, wenn er mal auf dem Balkon „Laut“ gibt. Aber er kommt so früh… Bis ich realisiert habe, dass er da ist, und wach genug bin, ist er schon wieder weg. Andere kleine Vögel habe ich noch nicht gehört, aber sie müssen da sein, denn jemand schmeißt leere Schalen auf den Boden…

Wir haben in der Gegend auch Grünfinken und Halsbandsittiche, mal sehen, ob sich von denen jemand her traut. Wahrscheinlich muss es noch eine Weile kalt bleiben. Vögel verlieren in kalten Nächten viel Körpergewicht und sind morgens drauf angewiesen, schnell Futter zu finden. Momentan ist wohl noch genug in der Natur da, was auch wieder beruhigend ist.

Übrigens ist euch vielleicht aufgefallen, dass ich keine Futternetze benutze. Es kommt leider immer wieder vor, dass sich Vögel mit ihren Füßen darin verfangen und qualvoll sterben müssen. Das möchte ich natürlich nicht! Es gibt inzwischen genügend Alternativen zum Aufhängen ohne Netze.

Sooo… Jetzt war der Beitrag doch länger geworden als gedacht. Aber irgendwie hat sich die erst klein gedachte Angelegenheit nun doch zu was Größerem entwickelt. Ich glaube, ich muss mich immer um irgendwelche Tiere kümmern. Wenn ich schon keine Haustiere mehr halten soll, nehme ich eben die wilden, die kommen!

Ich hoffe, ihr hattet etwas Spaß beim Lesen dieser kleinen Zusammenfassung! Ich wünsche euch auf jeden Fall ein schönes Wochenende und würde mich freuen, wenn ihr mir vielleicht eure Wildtiergeschichten erzählen könntet! Müssen ja keine Vögel sein, es gibt ja z.B. auch Igel, verwilderte Katzen, Tauben (halbwild), Rehe und Hirsche…

Liebe Grüße

28 Kommentare zu „Vogelgeschichten

  1. ❤ das ist so so schön.
    Wir hätten auch ein Haus für Vöglis. Aber es kommt keiner zu uns auf den Balkon im 3. Stock
    Aber vielleicht liegt es daran, dass hier noch viel Grün und Felder sind und Pferdeställe, wo sie genug finden. Wo Pferde sind, sind Fliegen nicht weit 😅.
    Aber ich gucke so gerne und früher hab ich auch immer gefüttert und hatte ein Krähenpärchen, die Nüsse bekamen und die mir dann ihrerseits Geschenke mitbrachten. Haarklammern, Glitzerzeug und einmal sogar eine tote Maus.
    Leider mussten wir dann umziehen. Ich vermisse die.

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    1. Oh, das glaube ich, das war ja wirklich eine ganz besondere Beziehung! Wobei die Maus… Naja, so sind sie halt! 😉 Übrigens habe ich letztens von draußen auch eine Krähe beobachtet, die unten rumlief und ihrerseits die Elster beobachtet hat, wie sie immer wieder auf den Balkon geflogen ist. Vielleicht traut sie sich irgendwann, ich werde sie besonders willkommen heißen! 🧡

      Eigentlich ist es aber schon möglich, dass die Vögel auf den Balkon kommen. So hohe Bäume befliegen sie ja auch! Sie brauchen nur Zeit, um die Futterstelle zu finden – und natürlich Hunger, das stimmt (in Pferdeställen wird es auch nie so richtig kalt, oder?) Aber ich würde nicht aufgeben und immer Futter anbieten (wie gesagt, der Geheimtipp sind tatsächlich geschälte Erdnusskerne, bei manchen funktionieren auch geschälte Sonnenblumenkerne besser), irgendwann kommen sie! Auch wenn Meisen und Co. eher keine Geschenke mitbringen, aber niedlich sind sie doch allemal!
      Ich freue mich, dass ich mit dem Beitrag deinen/euren Nerv gefunden habe!
      Liebe Grüße
      die Hoffende

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    1. Ich habe mich etwas belesen, bevor ich das so machen konnte. Es gibt auch Futter im Handel, das Bestandteile enthält, die für Wildvögel völlig ungeeignet sind. Also kaufe ich lieber die Einzelkomponenten und setze sie selbst zusammen.
      Ja, es ist schon sehr interessant, vor allem die Elstern zu beobachten, wie geschickt und groß sie sind!

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      1. Mir kam es so vor als ob genau das, die intensive Beschäftigung, mit ein Teil des besonderen war. Zu sehen, wie nach und nach die Vögel kommen, was ihnen besonders schmeckt und wie man es schafft, dass die einen den anderen nichts wegfressen. Die Schilderung ist wirklich schön. Ich freu mich im Sommer immer über all die Insekten die bei mir landen.

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        1. Ja, die inhaltliche Beschäftigung damit ist ein Teil des Besonderen, das stimmt. Heute war es offenbar wieder zu schön, man kam nur frühstücken und ließ sich dann nicht mehr blicken. 😉
          Die Insekten sind ja fast alle weg, nur ein paar wenige fliegen noch rum. Ich freue mich auf den Frühling, wenn sie wieder auftauchen und die Welt lebendiger machen!

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  2. Das klingt so schön. Aber unser Balkon ist mit Katzennetz gesichert, damit die Vögelchen NICHT Katerfrühstück werden. Der schaut sehr begehrlich in die Bäume, wenn es dort zwitschert. Zum Glück ist Mizzi mit seinem Balkon sehr zufrieden. Er glaubt, dass wir andere Katzen aus seinem Revier aussperren….
    Vor dem Nachbarhaus bleibe ich gern stehen und beobachte, weil dort mehrere Vogeltränken, Bäder und Futterhäuschen stehen.

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    1. Begehrlichkeiten ist ein tolles Wort.
      Wir hstten mal einen ykater, der hin im Netz des Fensters, das wir einsetzen konnten, um ihm den Ausblick zu ermöglichen. Mit allen 4ren und gegeckert. Ich hörte,,frauuuuuchen….ich will ein Haustier…die Maise da. Will. Will. Will. *Hier sabber im Maul einfügen….

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    2. Genau aus diesem Grund können wir auch keine Vögel füttern, weil wir zum Schutz unserer beiden Katzenprinzessinnen ein Sicherheitsnetz haben. Die Ältere würde sich eh nichts aus Vögeln machen, aber die Jüngere, Kleinere würde Vögel fangen, wenn sie nur könnte. Haben wir erst gestern am Abend gemerkt. Da war in einer Tierdoku im Fernsehen ein Specht zu sehen. Die Kleine ist rauf auf den Fernsehtisch und hat am Fernseher getapst, weil sie dachte, diesen Vogel könnte sie jetzt fangen. Dann war sie aber ganz irritiert, weil das natürlich nicht geht und ist wieder runter. 😉

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      1. Na das ist ja auch eine tolle Geschichte! Unser Kater hat nie auf das Fernsehen reagiert, aber er war auch schon etwas älter.
        Es ist klar, wenn man sich für Katzen entscheidet, muss man auf die Vögel verzichten. Aber ich denke, du bist sehr glücklich damit, oder? 😉
        Liebe Grüße
        die Hoffende

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    3. Ja, manchmal muss man sich entscheiden… Katze UND Vögel ist schlecht. 😉 Aber zum Glück haben andere dann das andere, woran man sich erfreuen kann.
      Ich hatte früher einen Hund und soll keinen mehr haben (gesundheitliche Gründe). Mir fehlt nix. Wenn ich spazieren gehe, treffe ich so viele Hunde, die alle Aufmerksamkeit und Knuddel wollen… 😉
      Wir hatten übrigens auch mal einen Kater und brauchten – trotz Balkon im Erdgeschoss – kein Netz. Er wollte schlichtweg nicht weg. Nur bissel die Sonne genießen und gucken. Freilich waren damals auch keine Vögel auf dem Balkon. 😉
      Liebe Grüße
      die Hoffende

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  3. Im letzten Jahr kamen keine Vögel mehr auf meinem Balkon. Ich habe mich etwas gewundert, habe dann aber festgestellt, dass jemand auf dem Südfriedhof mehrere Futterstellen eingerichtet hat. Da fliegt man dann natürlich nicht mehr über Mauer und Straße in den dritten Stock zur geschichtenundmeer.

    Gefällt 2 Personen

            1. Das kann gut sein! Die Meisen stehen eher nicht auf Früchte, aber Krähen fressen ja alles Mögliche! Rosinen gibt es auch als Tierfutter, kann man im Internet bestellen. Ich glaube, ich habe letztens auch welche beim Dehner gesehen. 🤔 Leider gibt es echte Rosinen als Menschenfutter kaum noch. Ich finde immer nur Sultaninen und dann auch noch geschwefelt. Tierfutter mag ich als Alternative lieber nicht essen. 😉

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  4. Oh , ist das ein schöner Beitrag und so viele schöne Geschichten dazu😍…ich liebe es auch Tiere zu füttern und habe auch wieder mehrere Futterstellen eingerichtet…wir haben Horden von Spatzen, Meisen und Rotkehlchen. Und in der Zwischenzeit auch noch einen Igel 🦔 den ich jeden Abend befüttere. Die Maus , die wir kurzfristig im Haus hatten , war weniger witzig. Aber Dank einer Lebendfalle konnten wir das Tierchen nach wenigen Tagen unbeschadet in die Freiheit entlassen…😊Ich wünsche Dir noch ganz viel Spaß mit Deinen Tieren und alles Liebe, Daniela

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    1. Vielen Dank für deinen netten Kommentar! Ich freue mich, dass ich deinen „Nerv“ getroffen habe. 🙂
      Danke auch dir für deine persönliche Geschichte, ich finde sie auch total niedlich! Jaja, ich habe das Mäuschen auch lieber draußen. 😉
      Igel füttern würde ich auch gerne, aber ich befürchte, die Ratten sind schneller. Wir haben hier einige in der Gegend und ich muss aufpassen, sie nicht anzulocken. Deshalb stelle ich lieber kein Futter auf den Boden (außer auf meinem Balkon). Aber – jeder, wie er kann, nicht wahr?
      Danke dir, den Spaß habe ich auf jeden Fall! Ich wünsche ihn dir ebenso!
      Liebe Grüße
      die Hoffende

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        1. Jaaa… Die Tiere sind so frei und ursprünglich, das wirkt sich direkt auf die Seele aus. Wenn ich die Piepser (oder Krächzer) sehe, wie sie im Baum oder auf dem Balkon rumhüpfen, vergesse ich alles um mich herum. Das tut gut! 🙂
          Dir auch noch viel Spaß mit „deinen“ Vögeln und einen schönen Abend!
          Liebe Grüße
          die Hoffende

          Gefällt 1 Person

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