Wozu machst du diese Aufstellung?

Diese Frage stellte mir eine Tante, die ich nach dem Datum ihrer Scheidung in den 80-ern fragte und ihr erzählte, dass ich mich mit Ahnen- bzw. Familienforschung beschäftige.

Wie soll man sowas beantworten? Wozu mache ich das?

Am Anfang war es wohl nur die Archivierung der alten Sachen, die ich von meiner Oma bekam. Später kramte mein Vater Zeug von seinem Opa heraus. Das stammte ja aus einer ganz anderen Zeit… Ich merkte, wie mich das packte und ich mehr wissen wollte. Beim Durchsehen des Papierkrams und Erzählungen noch Lebender wurde mir auf einmal bewusst, dass ich Teil einer großen Familie bin. Ich lernte im Nachhinein Menschen kennen, die gestorben sind, als ich ein kleines Kind war. Oder von deren Existenz ich bis dahin nichts wusste. (Wie – mein Urgroßvater hatte Geschwister?)

Es ist auch eine Zeitreise – ein Stück Geschichtsunterricht. Welche Berufe übten meine Vorfahren aus? Wo wohnten sie? Auch interessant: Wer war Trauzeuge bei der Hochzeit von wem? An welchen Krankheiten litten und/oder starben diese Familienmitglieder? Tausend Fragen, deren Antworten mir das Gefühl geben, dass wir alle zusammengehören. Irgendwie. Wahrscheinlich hätte ich nicht alle gemocht, aber das ist bei lebenden Verwandten ja auch so.

Dazu kommt noch der Jagd- und Sammeltrieb. Es ist so toll, wieder jemanden zu finden, ein Puzzleteil des ganzen Bildes, das wohl nie fertig werden wird. Die Suche selbst macht mir Spaß, das Finden ist immer ein kleiner Glücksmoment. Ja, man könnte sagen, „ich sammle Verwandte“.

Nebenbei lerne ich immer besser, die damaligen Handschriften zu entziffern. Die Schreibschrift hat sich in den Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten sehr verändert und es ist eine ziemliche Herausforderung, sie lesen zu können. Ich muss zugeben: Je weiter es zurückgeht, desto schwerer fällt es mir. Trotzdem bin ich froh, die Schrift meiner Großeltern und Urgroßeltern und noch etwas davor lesen zu können. Früher war mir das immer ganz fremd.

Am Ende möchte ich auch das zusammengetragene Wissen auch bewahren. Wer weiß, wen es später mal interessieren wird und wer darauf zurückkommt – aus den selben Gründen wie bei mir. Gewisse Informationen findet man nicht in Archiven, die ich aber von den Lebenden noch erfragen kann. Oder sie erzählen mir kleine Episoden. So bleibt etwas von uns, das sonst unwiederbringlich verloren wäre.

Warum mache ich das mit der Ahnenforschung? Weil es mich erfüllt und zufrieden macht.