Blogstöckchen #Die Welt auf dem Teller

Dieses Stöckchen flog mir an den Kopf, als ich bei mrsshahbandar zu Besuch war. Ich habe es mitgenommen und wer mag, nimmt es sich seinerseits von mir wieder mit.

Glück, Heimat, Trost, Abenteuer oder „Igittigitt“: Wonach schmeckte Deine Kindheit?
Vor allem nach Langeweile. Ich habe nicht gerne gegessen, weil es mir oft nicht geschmeckt hat. In meiner Umgebung wurde entweder fettes oder sehr saures Essen gegessen. Richtiges Salatdressing habe ich z.B. erst als Erwachsene kennengelernt, bis dahin wurden Essig und Zucker drangekippt. Dafür habe ich Erdbeeren mit reichlich Zucker geliebt.
Höhepunkte in Sachen Essen waren bei Familienfeiern die kleinen Hähnchenflügelchen (heute teilt man die und sagt „Wings“ dazu) oder, wenn ich bei meiner Oma war, die Schnitte zum Abendbrot mit Schabefleisch (Tartar).
Beim Schulessen konnte ich von Vanillesuppe mit Buchteln nicht genug bekommen und auch Makkaroni mit Tomatensoße mit Wurststückchen fand ich toll.

Lust oder Last: Was bedeutet Kochen und Essen im Alltag für Dich?
Beides. Wenn ich Zeit (und Lust) habe und es mir gut geht, koche ich sehr gerne. Fehlt beides, lasse ich es lieber, dann wird es nicht gut. Inzwischen esse ich gerne, aber es gibt auch einiges, das ich nicht so gerne esse. Auf jeden Fall bin ich eher ein konservativer Koch. Ich verwende keine exotischen Zutaten (für mich sind schon Muskatnuss und Chili hart an der Grenze, aber die kommen manchmal ans Essen). Das sollen die machen, die sich damit auskennen. Ich versuche mit dem Essen die Lücke zu schließen, die in der Gastronomie entstanden ist. Es gibt so viele Restaurants (auch zum Bestellen) mit Gerichten aus aller Herren Länder, aber kaum mal eins (oder bei uns gar keins), wo man mal ein Schnitzel bestellen könnte. Nein, nicht das vom Italiener oder Inder.

Knoblauch, Nudeln, Honig, Kekse, Kardamom: Nimm‘ ein Lebensmittel aus Deinen Vorräten in die Hand und erzähle uns von seinem Geschmack, vom ersten Mal, als Du es probiert hast, von der Geschichte, wie es in Deinen Vorräten landete – und warum.
Chilipulver. Ich hatte es mal gekauft, weil ich es in meiner Anfangszeit des Kochens für ein Rezept brauchte. Wie es darin geschmeckt hat, weiß ich gar nicht mehr. Aber ich habe es dann an alles Mögliche dran gemacht, um zu probieren, welche Auswirkungen es hat. Tatsächlich kann Pfeffer als Schärfegeber sehr aufdringlich schmecken – einfach pfeffrig und unangenehm. Mit Chili schärfe ich Gerichte, wenn ich meine, Pfeffer ist genug dran, aber Schärfe könnte es noch vertragen. Ob Tomatensoße oder Rührei oder Fleisch – gut dosiert kann Chili einem Essen den letzten Pfiff geben. Deshalb gehört es fest in meinen Gewürzschrank, der sonst ziemlich übersichtlich ist.

Die Schönheit von Essen: Gibt es eine Frucht oder ein anderes Lebensmittel, dass Du allein wegen seiner Form und Farbe liebst? Wegen seines Dufts? Oder wegen einer Erinnerung, die Du damit verknüpfst?
Erdbeeren. Als ich noch ein Kind war, brachte eine Nachbarin und ab und zu aus ihrem Garten Erdbeeren mit. Meine Mutter machte daraus ein Fest und das wurde es dann für mich auch. Später hatten wir einen eigenen Garten und eigene Erdbeeren. Zuviele. Ein Teil wurde eingeweckt, aber die anderen wollten frisch gegessen werden und ich hatte irgendwann einen Widerwillen dagegen. Heute wecken Erdbeeren die Erinnerung an ganz früher in mir. Wenn sie so toll aussehen und duften… Ich finde sie einfach schön! Essen darf ich sie nicht mehr, aber davor hatte ich ein paar wenige Pflanzen auf dem Balkon und mal so eine Frucht in den Mund gesteckt – hmmmmm! Allerdings hatte ich immer eine bestimmte Sorte gekauft, die es im Supermarkt nicht gibt (zu empfindlich): Senga Sengana. Süß, erdbeerig und weich. Wenn ich nochmal Erdbeeren esse, dann nur noch diese.

Die Welt auf dem Teller: Ein Gericht in einem anderen Land, ein Essen aus einer anderen Kultur, gepflückt oder gekauft an einem anderen Ort – nimm‘ uns mit auf eine Reise. Woran erinnerst Du Dich?
Anfang der 90-er Jahre war ich in dem noch touristisch relativ unverbrauchten Tunesien. Eine Freundin, die dort schonmal war, und ich wurden von unglaublich vielen Händlern zum Pfefferminztee eingeladen. So kamen wir auch mit anderen Kunden – auch einheimischen – ins „Gespräch“ (ich konnte nur Deutsch, meine Freundin nur ein paar Brocken Englisch und die Tunesier Arabisch und Französisch). Einer davon fand es so toll, dass wir da waren und das Land kennenlernen wollten, dass er uns zu einem typisch tunesischen Essen einlud. Also trafen wir uns mit ihm und einem Freund von ihm zum Abendessen in einem einheimischen Restaurant. Sie bestellten für uns mit und ich bekam: Couscous mit Hühnerfleisch und Gemüse. Das Gericht war eine Erleuchtung! Es hat sooo gut geschmeckt und auch ausgesehen und der Abend war so nett… Die beiden Gastgeber schafften es sogar, uns zu erklären, wie Couscous bei ihnen zubereitet wird und dass es das tunesische Nationalgericht ist.
Eine ähnliche Erfahrung machte ich auf Mallorca, als ich meine erste Paella gegessen habe. Nichts kommt dem gleich als Paella, als die, die von richtigen Spaniern gekocht wird. Diese kulinarischen Erlebnisse werden mich nie mehr loslassen.

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