Lebenszeichen

Ich bin noch da. Hab‘ einfach eine Auszeit gebraucht. Nicht nur vom Bloggen, nein, von fast allem. Ich habe meine sozialen Kontakte eingeschränkt, meine Zeit in den sozialen Medien, keine Nachrichten mehr gesehen und gehört. Rigoros aus- oder umgeschaltet, sobald sowas kam. Auch politische Reportagen und Kommentare waren tabu. So konnte ich mich ein paar Wochen ganz auf mich konzentrieren – und das tat sooo gut! Nicht das Elend der Welt auf meinen Schultern tragen, sondern nur für mich da sein…

Ich habe auch den Haushalt schleifen lassen. Wer sagt eigentlich, dass alles immer tiptop sein muss? Dann lag die Wäsche eben rum und es war nicht gesaugt. Na und? Dafür habe ich mich prima gefühlt! Endlich nicht mehr getrieben und gehetzt. Ruhe ist in mein Leben eingekehrt und damit auch Zufriedenheit und Fröhlichkeit.

Ich werde so weitermachen und es sich entwickeln lassen, wie es mit dem Blog weitergeht. Sporadisch in meinen abonnierten Blogs gelesen habe ich ja, vielleicht schreibe ich auch sporadisch wieder. Ein paar Mal hatte ich schon solche Anwandlungen. Naja, alles kann, nichts muss! Wir lesen uns!

Liebe Grüße an alle und danke für eure Treue und die Nachfragen!

Windpocken Zwischenstand

Heute ist der erste Tag, an dem E. für kurze Zeit mal wieder aufstehen konnte. Eine Runde am PC, ein anderes Mal ein bisschen Fernsehen, das war’s. Aber immerhin hatte er sich angezogen und saß mal eine Weile bei mir. Das war schön und sehr erholsam! Vor allem, nachdem ich gestern kurz vor Mitternacht zur Apotheke gefahren war, weil es ihm so schlecht ging und wir beide Angst hatten, dass er eine Mittelohrentzündung bekommen könnte. Unser Paracetamol im Schrank war vor zwei Jahren abgelaufen, also habe ich neues geholt. Die folgende Nacht war für ihn wieder schmerzhaft und anstrengend, aber irgendwann fiel er in den Schlaf.

Heute mittag lachte er mich an und winkte mir, als ich ins Zimmer kam. Hach ja, Hoffentlich ist der Mist dann mal vorbei!

Ich habe noch nie erlebt, dass E. fünf Tage lang freiwillig das Bett hütet und teilweise nichtmal Interesse an … IRGENDWAS hat! Von den fünf Tagen hatte er drei Tage lang Körper- und Gliederschmerzen, von der Juckerei ab dem zweiten Tag mal abgesehen, das erst heute etwas nachgelassen hat.

Ich selbst hatte die ganze Zeit mit Haushalt und Krankenschwestertätigkeiten zu tun – und mit Pausen. Aber da ich weiß, wie es ist, wenn man krank ist und nichts selber machen kann, wollte ich einfach jederzeit für E. da sein. Fieber und Blutdruck messen, Getränke holen, Kamillentee kochen, trösten, Fenster auf- und zumachen, streicheln, Bett umbeziehen (4x), Kühlpad erneuern, Waschlappen bringen, beim Umziehen helfen, am Bett sitzen, Essen (Brötchen, Apfel, Joghurt) bringen, Tabletten geben, Bläschen mit einem Mittelchen gegen den Juckreiz betupfen … Inzwischen habe ich mich dran gewöhnt und ich mache es gerne, aber ich bin dann auch froh, wenn wieder Normalität einkehrt.

Der Wochenrückblick wird wieder kurz ausfallen, wenn ich ihn überhaupt zusammenbringe. Aber das reale Leben war wichtiger, und das hieß in dieser Woche: E. und die Windpocken.

Windpocken

E. hat sich bei mir angesteckt, ich hatte ja vor knapp drei Wochen die Gürtelrose bekommen. Eigentlich hätte nichts passieren dürfen, aber was wir alle nicht so genau wussten: E. hatte als Kind keine Windpocken. Nun hat er sie als Erwachsener. Nicht schön!

Windpocken und Gürtelrose, das sind Level 1 und 2 des selben Virus‘. Wenn man Windpocken haftet, bleibt der Virus an die Nerven „geklammert“ im Körper und bricht bei Gelegenheit wieder aus, aber als Gürtelrose.

Nun haben wir den Salat. E. liegt im Bett (mehr geht nicht), kämpft gegen Schmerzen und Juckreiz und fühlt sich schlapp. Und ich merke, dass ich große Probleme habe, den Haushalt alleine zu meistern. Ich habe zu wenig Zeit für Pausen, Sachen wie Getränke aus der Garage in die Wohnung zu holen (mit einer Treppe vorm Haus) rauben unglaublich viel Kraft. Der Einkauf, den ich jetzt gleich alleine machen muss, will auch die Treppe hoch getragen werden. Ich schleppe mich mit meiner lädierten Hüfte ja selbst gerade so die Treppe hoch. Ich werde mich wohl etwas besser organisieren müssen, mal sehen, was mir einfällt.

Jedenfalls bin ich erschrocken, wie wenig Kondition ich tatsächlich habe. Irgendwie ist mir vor vielen Jahren abtrainiert worden, mich anzustrengen. Mit der Dialyse (Schlauch im Bauch) durfte ich maximal 5 Kilo tragen, nach der Transplantation erstmal auch. Irgendwann gewöhnt man sich daran und nun bin ich echt schwach. Es ist echt mal an der Zeit, daran was zu ändern.

Gestern abend habe ich gelesen, dass Windpocken meldepflichtig sind. Ich werde also nach dem Einkauf den Hausarzt informieren. Wenn er will, kann er vorbeikommen. E. jedenfalls kann nicht hingehen. Hoffentlich kommt es nicht zu irgendwelchen Komplikationen!

Statt einer Woche der Erholung habe ich nun eine Woche Stress – manchmal kommt es leider anders, als man denkt.

Citalopram und ich, die zweite

Ganz kurz: Alles gut!

Die Nebenwirkungen sind lange vorbei, das Mittel wirkt, wie meine Nephrologin sagt, harmonisierend, was ich deutlich spüre. Meine Psychotherapeutin war und ist richtig froh, dass es mir grundsätzlich besser geht und die doofe tiefe Traurigkeit weg ist.

Leider hilft das Citalopram nicht gegen Prokrastination, aber daran arbeite ich gerade. Denn endlich kann ich mir wieder was vornehmen und auch umsetzen. Wenn ich es dann nicht tue, liegt das in erster Linie an mir und nicht an einem blöden chemischen Ungleichgewicht!

Also, es ist alles gut geworden! Citalopram ist jetzt eine von meinen vielen Tabletten, die ich abends nehme, und ich denke darüber gar nicht mehr nach, sondern genieße einfach, dass das Leben wieder schön ist. (Meistens! )

Liebe Grüße

Citalopram und ich

Heute ist der 40. Tag, seit ich dieses Antidepressivum, einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, nehme. Wer jetzt nachrechnet, kommt nicht auf 40, sondern auf 42. Wegen der starken Nebenwirkungen habe ich 2x eine Pause von je einem Tag gemacht. Bei der Gelegenheit habe ich das Einnahmeintervall von morgens auf abends verlegt, weil ich einfach ständig müde war.

Müde, ohne einschlafen zu können, ohne länger als 2 bis 3 Stunden schlafen zu können, ohne jemals wirklich wach zu sein. Keinen Appetit, kein Hungergefühl, Nahrungsaufnahme nur aus Vernunft und dann Übelkeit. Schwindlig war mir öfter… Und ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Das war anstrengend! Aber bis hierhin hat sich fast alles wieder normalisiert, wobei mein Schlafverhalten noch immer etwas, ähm, ungewöhnlich ist.

Was ich noch habe, ist immer mal wieder Herzklopfen, vermehrtes Schwitzen und sehr plötzlich auftretende Müdigkeit.

Aber das Mittel hilft seit dem ersten Tag gegen die fürchterliche Traurigkeit, die mir das Leben verleidet hat! Ich hoffe, dass die restlichen Nebenwirkungen auch noch nachlassen und ich dann wieder normal weiterleben kann. Die Depression ist davon natürlich nicht weg. Ich denke aber, dass ein Teil davon organisch bedingt war (Serotonin wurde zu schnell wieder „zurückgerufen“ und kam nicht richtig zur Wirkung). Nun geht’s wieder um die Psyche. Nächster Termin nächste Woche. Mal sehen, was die Psychologin zu der neuen Entwicklung sagt.

Liebe Grüße