Angst

Samstag mit Schwester und Nichte spazieren gewesen.
Sonntag hat Nichte eine Zyste.
Montag ist sie im Krankenhaus.
Tests auf Toxoplasmose (einige Katzen im Haushalt) und auf Tuberkulose (ist geimpft).

In meinem Kopf dreht es sich. Wenn es etwas davon ist: Hätte ich mich anstecken können? Ständig horche ich in mich hinein, ob etwas ungewöhnlich ist, komme nicht zur Ruhe, konnte kaum schlafen.

Freitag habe ich Psychotherapie. Ich muss unbedingt reden. Nach jedem Treffen eine gedachte Inkubationszeit auszuhalten, ob die Kleine was gehabt haben könnte, das ich jetzt haben könnte – das kann es ja nicht sein. Die Zeit, bis Klarheit herrscht, wird wieder wie in Trance vergehen. Ablenkung um jeden Preis, Leben ohne Inhalt.

Zwischenstand

Es geht mir nicht besonders gut. D.h. eigentlich ist für mich fast alles normal, aber die Leute in meiner Umgebung drehen am Rad. Da streiten sich die Paare im Haus lautstark, Kinder weinen mehr als sonst, Bekannte können oder wollen nicht wieder arbeiten, Klopapier gibt’s hier immer noch nicht ausreichend, nebenbei auch keine Küchentücher, Tabs für’s Waschmaschinenentkalken oder schlichte Seife. Man kann natürlich auf Produkte mit dem 3-fachen Preis ausweichen, wenn es die denn gibt und wer es sich leisten kann.

Menschen, die früher nie Zeit hatten, haben jetzt ganz viel und wissen nicht, wohin mit sich. Früher schlugen sie die Zeit mit Einkaufsbummeln, dem Gang ins Kino oder am Wochenende zum Essen oder irgendwelche Feiern tot. Jetzt begegnen sie sich selbst und sind sooo unzufrieden… Irgendwie möchte ich so Manchen zum Therapeuten schicken. Stattdessen geh‘ ich selber hin…

So kann ich nicht wirklich genießen, dass alle etwas zum Runterfahren gezwungen worden sind. Im Gegenteil: Ich bin gestresst. Ich muss mich schon wieder verstellen, weil keiner (mehr) versteht, dass es mir mit dem Abstand-Halten und Nicht-Handgeben oder Küssen-links-Küsschen-rechts viel besser geht als vorher. Maskenpflicht? Ich trage die in der Grippe- und Erkältungszeit sowieso immer und habe nie verstanden, wieso immer gesagt wurde: „Bringt nix!“ Plötzlich ist sie ein Muss.

Grrr… Natürlich ist E. auch betroffen. Er kann einen Teil seines Nebenjobs nicht mehr machen und einigen Hobbys nicht mehr nachgehen. Da macht der Rest auch keinen Spaß. Und es ist sooo ansteckend!

Ich muss mich gerade wirklich anstrengen, mich nicht allzu tief in diesen Sumpf der allgemeinen Unzufriedenheit ziehen zu lassen. Ich habe immer noch nicht gelernt, mich abzuschotten. Fremdes Leid ist nicht unbedingt meins, aber das kapiert meine Psyche einfach nicht.

Nochmal Nierenarzt

So, nachdem ich nun das Thema mit meiner Psychologin durchgekaut habe, hier die Geschichte dazu. Ich versuche mich kurz zu fassen, will auch in mir nicht wieder alles aufwühlen.

Es ging darum, dass ich in den letzten Wochen/Monaten mit einem Arzt in dieser Praxis besprochen hatte, meinem Medikamentenvorrat von 3 Monaten auf 6 Monate aufzustocken. Kein Problem.

Am Mittwoch hatte ich aber mein Arztgespräch nicht mit ihm, sondern mit der Chefin, die eigentlich die Ärztin meines Vertrauens ist. Leider sah sie die Angelegenheit völlig anders und führte mit mir Gericht. Sie hatte alle „Beweise“ zwischen sich und mir ausgebreitet (die neuen Rezepte, mit denen ich die inzwischen verbrauchten Medikamente wieder ausgleichen wollte), nannte mein Verhalten unsolidarisch und interessierte sich absolut nicht für meine Motivation. Ich dürfte auch böse auf sie sein, aber verschreiben würde sie mir das nicht. Vorrat ja, aber für maximal drei Monate. Mehr „kann sie nicht machen“. Und es wären genug Medikamente da, man könnte ja auch mal auf einen anderen Hersteller ausweichen.

Zack! Hatte sie gerade mit MIR geredet? Irgendwie hörte sich das nach einer Rede an, die sie nicht zum ersten Mal hielt. Ich diskutierte nicht mit ihr, sie hatte ihre Meinung ja schon festgelegt.

Nur hat mich das echt umgehauen. „Unsolidarisch“ hat noch niemand zu mir gesagt. Ich bin gerade in Psychotherapie, um zu lernen, auch mal an mich zu denken. Nicht immer nur an die anderen. Unsolidarisch?

Dass diese Ärztin, die mir sonst immer alles im Detail erklärt, mich wie Patienten XY behandelt, mich mit allen anderen in einen Topf wirft, mich nicht mit in ihr Boot nimmt und mir NICHT zuhört, das war ein echter Vertrauensbruch.

Freilich habe ich danach in erster Linie wieder an mir selbst gezweifelt. Hätte ich mich wehren müssen? Hätte ich doch was sagen sollen? Aber welche Auswirkungen hätte das für die Zukunft gehabt? Bin ich wieder in eine Paralyse geraten? Das Kaninchen vor der Schlange? Am Ende ging es mir einfach nur schlecht.

Meine Therapeutin war auch ziemlich entsetzt, glaubt aber, dass diese Ärztin gerade so unter Stress stand, dass sie nicht mehr in der Lage war, aus diesem Schema F auszubrechen, mit dem sie mich behandelt hat. Was mich betrifft, fand sie meine Reaktion normal – was für mich jetzt erstmal die wichtigeste Information ist. Bin ich doch nicht so abgedreht wie befürchtet.

Ich bin nun froh über alle Medikamente, die sich in meinem Schrank befinden, die kann mir niemand mehr wegnehmen. Mindestens bei einem gab es in den letzten 14 Tagen schon verlängerte Lieferzeiten, aber es sind ja „genug Medikamente da“. Ich bin sehr gespannt und hoffe, dass das stimmt!

Untersuchung beim Nierenarzt

Am Mittwoch war ich dran, der letzte Termin lag 6 Wochen zurück und das ist mein normaler Rhytmus bei den Untersuchungen. Leider kann ich hier gar nichts weiter darüber schreiben, weil die Ärztin – ob im Recht oder nicht – einfach so blöd mit mir umgegangen ist, dass es mir seitdem schlecht geht. Irgendwie hat sie einen wunden Punkt getroffen. Oder sogar mehrere. Meine Psyche versaut mir gerade meinen Alltag und ich finde keinen Weg raus. Am Dienstag habe ich wieder ein Gespräch mit meiner Psychotherapeutin und hoffe sehr, dass sie mir was dazu sagen kann. Vielleicht schreibe ich danach noch was über den Termin.

Zahnarzt

Gestern war es mal wieder soweit. Ich hatte seit 2 Wochen eine Veränderung an einem Zahn gespürt. Ein Löchlein? Jedenfalls habe ich mir ganz vorbildlich einen Termin beim Zahnarzt besorgt und bin gestern auch ganz alleine hingefahren.

Normal ist das für mich nicht. Meine Zahnarztgeschichte ist von großen Ängsten geprägt, denn im Alter von 7 Jahren sollte mir ein wackelnder Milchzahn, der den „richtigen“ angeblich am Rauskommen hinderte, gezogen werden. „Das macht kurz „Zack“ und dann ist es schon vorbei. Tut nicht weh.“ sagte man mir. Am Ende zog man noch 2 weitere Milchzähne, die auch gerade anfingen „zu wackeln“. Es tat weh, ich hatte den Mund voll Blut, war total verängstigt und traumatisiert und was ich an Trost bekam, war: „Das ist doch alles nicht so schlimm. Wenn du heiratest, ist es längst vergessen.“ (Ich habe nicht geheiratet und ich habe es auch nie vergessen!)

Da es zu DDR-Zeiten beim Zahnarzt nur beim Ziehen eine Spritze gab, litt ich bei jedem Bohren und bei jeder Füllung Höllenqualen. Am Ende ging ich gar nicht mehr hin. Nach der Wende hörte ich, man könnte jetzt auf eine Spritze bestehen. Da ich gerade ein Loch hatte (hinten an den Schneidezähnen), versuchte ich es. Aber der ehemalige DDR-Arzt wollte mir die Spritze nicht geben und versuchte es ohne. Erst als ich den Kopf immer wegdrehte und er so nicht bohren konnte, ließ er sich erweichen. „Die Patientin hält es nicht aus ohne Spritze.“ Als wäre ich nicht da und hätte keinen Namen.

Danach ging ich jahrelang nicht mehr zum Zahnarzt. Irgendwann waren die Zähne so schlecht, dass sie, wenn ich doch einen Zahnarzt aufsuchte, nur noch gezogen werden konnten. Ich verlor einen Zahn nach dem anderen und musste vor solchen Terminen Beruhigungstabletten nehmen. Trotzdem schlotterte mein ganzer Körper sichtbar.

Dann lernte ich eine Krankenschwester kennen, die mich wegen der Dialyse betreute. Sie war auch so ein „Angsthase“, hatte aber einen Zahnarzt gefunden, der ihr die Angst nehmen konnte. Zu dem ging ich dann auch. Und seitdem… Dabei hat er gar nichts Besonderes gemacht, er hat mich nur bestimmen lassen. Beim ersten Mal sagte ich: „Nur gucken!“ Er fand mehrere Baustellen, akzeptierte aber meinen Wunsch und guckte nur. Beim nächsten Mal nahmen wir die kleinste Behandlung in Angriff. Mit Spritze. Immer nur mit Spritze! Ich war sehr oft bei ihm, manchmal wöchentlich. Nachdem die Altlasten beseitigt waren, sahen wir uns nur noch alle halbe Jahre.

Natürlich war irgendwann wieder etwas zu bohren. Es wäre nur oberflächlich. Wir könnten es ohne Spritze probieren. Ich malte mir aus, dass die Spritze ja auch immer weh tat und dieses betäubte Gefühl nicht angenehm war, das ich dann wieder stundenlang hätte. Und so versuchte ich es. Was soll ich sagen… Ich spürte NICHTS! Die Füllung war drin, ich war draußen und jubelte „Ich bin der Held vom Erdbeerfeld!“

Das war der Durchbruch. Seitdem gehe ich einfach rechtzeitig hin und brauche die Spritzen nicht mehr. Wenn die Löcher nicht tief sind, tut auch nix weh… Zahnsteinentfernen ist jedenfalls unangenehmer.

Gestern also war ich beim Zahnarzt. Es gab eine Umleitung in dem Ort, ich kannte mich nicht aus, aber ich habe mich mit Navi durchgebissen. Es war wieder nur ein kleines Löchlein, das schnell gestopft war. Ruckzuck war ich wieder zu Hause und konnte den Tag genießen.

Ich bin ein bisschen stolz auf mich, denn ich bin kein Angsthase mehr beim Zahnarzt!