Gemischte Gefühle

Vor 3 Tagen ist eine alte Bekannte von mir gestorben. Wir hatten in den letzten Jahren keinen Kontakt mehr, aber über frühere gemeinsame Freunde, die heute noch Bekannte sind, habe ich es erfahren.

Die Bekannte hatte wohl Asthma und Angst vor den Nebenwirkungen der Impfung gegen Covid-19. Auch hat sie Menschen geglaubt, die meinten, man bräuchte keine Masken und Impfungen. Vielleicht zum eigenen Schutz.

Wie dem auch sei: Sie hat sich infiziert, wurde positiv getestet und hat nach diesem Ergebnis nur noch knapp einen Monat gelebt, zuletzt im Koma.

Während ich das noch verdauen muss, nehme ich heute meinen Termin bei der Nierenkontrolle wahr. Wie immer: Blut abnehmen, Blutdruck messen, Arztgespräch. Sagt der Arzt nach der Begrüßung: „Ich habe ein Angebot für Sie. Eine dritte Impfung. Wollen Sie?“ Ich stimme ohne zu Überlegen zu. Meine Antikörper sind nur gering, was meine T-Zellen nach den ersten beiden Impfungen machen, weiß keiner. Ich möchte auf Nummer sicher gehen. Keine 5 Minuten später ist die Spritze drin, diesmal mit einem anderen Wirkstoff (von Moderna, vorher hatte ich den von Biontech).

So kann es gehen. Ich bin froh, dass meine Krankheiten (einerseits die mit den Nieren und dem herabgesetzten Immunsystem und andererseits die Angststörung) mir die Wahl „impfen oder nicht“ quasi abgenommen haben. Mir tut die Bekannte leid, die ihr Dilemma letztlich mit dem Leben bezahlen musste.

13. bis 15. Februar 1945

Veröffentlicht um 21.45 Uhr. Im Gedenken.

Dresden.

13. Februar, Faschingsdienstag. 21.45 Uhr heulten die Sirenen. Ab 22.03 Uhr wurde die Stadt von sogenannten Christbäumen und roten Zielmarkierungen erhellt. 22.13 Uhr fielen die ersten Bomben. 22.28 Uhr war es vorbei. Erstmal.

1.23 Uhr bis 1.54 Uhr (am 14. Februar) erfolgte der zweite Angriff. Bei diesem wurde die gesamte Technik der sich im Einsatz befindlichen damaligen Feuerwehr zerstört, es konnte nichts mehr gelöscht werden, weshalb sich ein Feuersturm entwickeln konnte. 12.17 Uhr bis 12.31 Uhr gab es einen erneuten Angriff. Die Bevölkerung konnte nicht gewarnt werden, entspechende Vorrichtungen waren zerstört.

15. Februar. 10.15 Uhr stürzte die ausgebrannte Frauenkirche ein. 11.51 Uhr bis 12.01 Uhr gab es noch einen Angriff, der eigentlich nicht für Dresden vorgesehen war. Schlechtes Wetter und seine Bestimmung als Ausweichziel brachten den vierten Angriff in 40 Stunden. Viel zu zerstören gab es nicht. Das alte Dresden gab es nicht mehr.

Es gab vorher und nachher Angriffe, aber keine Tage waren für die Dresdner so schlimm wie diese.

Den genauen Ablauf der Angriffe auf Dresden kann man bei Wikipedia nachlesen.

Beim dort genannten Angriff auf Freital, der erste in dieser Gegend, verlor mein Uropa seine Schwester und deren Enkel. Meine direkten Vorfahren hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon aus Dresden zurückgezogen und damit wohl ihre Leben gerettet. Erst meine Eltern wohnten dann wieder dort.

Bereits als Kind kam ich mit diesem Teil der Geschichte Dresdens in Berührung. Seitdem frage ich mich, wie Menschen so etwas anderen Menschen antun können. Natürlich gab es eine Vorgeschichte, aber bei dieser stellt sich mir die selbe Frage. Nie werde ich mich Menschen anschließen, die soviel Hass in sich tragen, dass sie bereit sind, solche Folgen in Kauf zu nehmen oder sogar so etwas anderen Menschen wünschen. Dresden wird mir ewig eine Mahnung bleiben.

Zum Abschluss habe ich noch ein Video für euch. Achtung! Etwa ab Minute 4:17 beginnen Bilder, die verstörend wirken können! Es werden tote Opfer der Angriffe gezeigt, zum Teil in Nahaufnahme der Gesichter. Es ist deshalb nur direkt auf youtube zu sehen.

Hiroshima

Heute ist der 75. Jahrestag des ersten Atombombeneinsatzes in der Geschichte.
Ich will nicht viele Worte darüber verlieren, sie fehlen mir auch angesichts derartiger Unmenschlichkeit.

Ich möchte aber auf eine Dokumentation von ARTE hinweisen, die am 04. August 2020 ausgestrahlt wurde, am 14. August um 9.50 Uhr wiederholt wird und noch bis zum 10. August online zu sehen ist.
Sie heißt „Count-down in ein neues Zeitalter: Hiroshima“. Für mich enthielt sie neue und teilweise erschütternde Informationen. Die Doku spricht für sich – mögen die Opfer in Frieden ruhen.

Mit dem Leiterwagen…

„Mit dem Leiterwagen sind sie in X-Dorf angekommen.“
Mit diesem Satz meiner Cousine kam ein neues Thema in mein Denken, zu dem ich mich bisher nicht zugehörig fühlte.

Wir sind verwandtschaftlich durch ihre Mutter und meinen Vater verbunden, die Geschwister sind. Ihr Vater wurde also „eingeheiratet“ und über diesen Familienzweig wusste ich bis dato nichts. Erst als der Geburtsort von ihm zur Sprache kam, änderte sich das, denn dieser lag in Schlesien.

Dort hatte die Familie gelebt, der Opa war gut begütert und hatte mindestens eine Magd. Aber dann war der Krieg zuende, die Besitzverhältnisse der Länder änderten sich und der Opa, seine Frau, deren Geschwister und alle Kinder mussten weg. Weg – das hieß, dass sie wirklich vertrieben wurden. Es wurde nicht etwa „Geht weg!“ gesagt und sie sollten sich ein neues Zuhause suchen, sondern sie wurden bewacht, dass sie wirklich schnell das Land verließen. Die Kinder des Opas waren damals 9, 6, 5 und 3 Jahre alt.

„Ab und zu durfte jemand aussteigen.“ Das war dann schon in Deutschland und bedeutete, dass eine Familie in dem Ort, durch den der Zug gerade ging, bleiben durfte. Dort begann ihr neues Leben. Für die Familie vom Opa war das X-Dorf. Für die Geschwister der Oma waren das ein Ort in Thüringen, einer bei München, einer im Ruhrgebiet. Die Familie wurde zerrissen.

Heute, wo die Oma schon länger tot ist, kennt niemand mehr ihre Geschwister. Die damaligen Kinder hatten keine Möglichkeit, ihre Onkel und Tanten richtig kennenzulernen, sie blieben immer fremde Leute.

Nun sitzen wir hier mit ganz vielen Namen und Daten und müssen doch einsehen: Dieser eine Familienzweig wird uns verborgen bleiben. Diese Namen kennen wir nicht, unser Andenken gilt Unbekannten. Und so sind wir irgendwie mit drin, in dieser Vertreibungsgeschichte. Der Krieg hat tiefe Wunden gerissen, die auch heute noch sichtbar sind.