Hiroshima

Heute ist der 75. Jahrestag des ersten Atombombeneinsatzes in der Geschichte.
Ich will nicht viele Worte darüber verlieren, sie fehlen mir auch angesichts derartiger Unmenschlichkeit.

Ich möchte aber auf eine Dokumentation von ARTE hinweisen, die am 04. August 2020 ausgestrahlt wurde, am 14. August um 9.50 Uhr wiederholt wird und noch bis zum 10. August online zu sehen ist.
Sie heißt „Count-down in ein neues Zeitalter: Hiroshima“. Für mich enthielt sie neue und teilweise erschütternde Informationen. Die Doku spricht für sich – mögen die Opfer in Frieden ruhen.

Mit dem Leiterwagen…

„Mit dem Leiterwagen sind sie in X-Dorf angekommen.“
Mit diesem Satz meiner Cousine kam ein neues Thema in mein Denken, zu dem ich mich bisher nicht zugehörig fühlte.

Wir sind verwandtschaftlich durch ihre Mutter und meinen Vater verbunden, die Geschwister sind. Ihr Vater wurde also „eingeheiratet“ und über diesen Familienzweig wusste ich bis dato nichts. Erst als der Geburtsort von ihm zur Sprache kam, änderte sich das, denn dieser lag in Schlesien.

Dort hatte die Familie gelebt, der Opa war gut begütert und hatte mindestens eine Magd. Aber dann war der Krieg zuende, die Besitzverhältnisse der Länder änderten sich und der Opa, seine Frau, deren Geschwister und alle Kinder mussten weg. Weg – das hieß, dass sie wirklich vertrieben wurden. Es wurde nicht etwa „Geht weg!“ gesagt und sie sollten sich ein neues Zuhause suchen, sondern sie wurden bewacht, dass sie wirklich schnell das Land verließen. Die Kinder des Opas waren damals 9, 6, 5 und 3 Jahre alt.

„Ab und zu durfte jemand aussteigen.“ Das war dann schon in Deutschland und bedeutete, dass eine Familie in dem Ort, durch den der Zug gerade ging, bleiben durfte. Dort begann ihr neues Leben. Für die Familie vom Opa war das X-Dorf. Für die Geschwister der Oma waren das ein Ort in Thüringen, einer bei München, einer im Ruhrgebiet. Die Familie wurde zerrissen.

Heute, wo die Oma schon länger tot ist, kennt niemand mehr ihre Geschwister. Die damaligen Kinder hatten keine Möglichkeit, ihre Onkel und Tanten richtig kennenzulernen, sie blieben immer fremde Leute.

Nun sitzen wir hier mit ganz vielen Namen und Daten und müssen doch einsehen: Dieser eine Familienzweig wird uns verborgen bleiben. Diese Namen kennen wir nicht, unser Andenken gilt Unbekannten. Und so sind wir irgendwie mit drin, in dieser Vertreibungsgeschichte. Der Krieg hat tiefe Wunden gerissen, die auch heute noch sichtbar sind.

Dresden

Jetzt gleich ist es soweit. 21.45 Uhr werden alle Glocken läuten. Um daran zu erinnern, dass innerhalb weniger Stunden alles in Trümmern liegen kann. Und dass wir dafür sorgen müssen, dass es nie wieder soweit kommt.
Meine Heimatstadt. Ich denke an sie.

Gedenken an meine Oma

Heute vor 15 Jahren ist meine Oma gestorben.
Sie war meine Lieblingsoma und ich war ihr Lieblingsenkel.
Ihr großes Herz und ihre noch größere Sehnsucht nach ihrer Heimat werden immer in meiner Erinnerung bleiben und mich berühren.

Eins ihrer Lieblingslieder, das auch auf ihrer Beisetzung gespielt wurde, ist „Das Lied der Berge“. Wenn ich diese Melodie höre, bin ich ihr ganz nah.

Für die Etüden: Grenzlinie

Als ich meine Wohnung verlassen und umziehen musste, fand ich nur einen zu großen Ersatz. Um mir zu helfen, zog sie mit mir in eine WG. Ich wusste nichts von ihr, außer dass sie sehr nett war. Unser anfängliches Verhältnis war, im Nachhinein gesehen, von einer gewissen Unterwürfigkeit ihrerseits geprägt. Sie ging für uns einkaufen, kümmerte sich um meinen Hund, wusch Wäsche, putzte… Ich wollte das eigentlich nicht, aber sie bestand darauf. Ich nahm es hin, schließlich konnte ich mich so voll und ganz meinen Hobbys hingeben.

Doch nach einigen Monaten veränderte sich ihr Verhalten. Spätestens, seit sie mir vorwarf, zu lange mit jemand anders telefoniert und für sie nie Zeit zu haben, wurde unser Verhältnis eher ambivalent. Nach weiteren Wochen wurden aus den Vorhaltungen Beschimpfungen. Alle paar Minuten kam sie in mein Zimmer und knallte mir irgendetwas an den Kopf. Oft Sachen, die gar nicht stimmten oder völlig übertrieben waren.

Nachdem sie wiedereinmal ihren Frust durch sinnlose Einkäufe zu ertränken gedachte, schloss ich die Wohnungstür ab und nahm ihren Schlüssel an mich. Sie versuchte dann, das Schloss aufzuschrauben. Jedes Mal, wenn sie sich einer Schraube widmete, drehte ich die vorige wieder hinein. Es dauerte ewig, bis sie die Sinnlosigkeit ihrer Handlung erkannte. Als sie dann drohte, sich etwas anzutun, rief ich die Feuerwehr an. Es war eine reine Verzweiflungstat, ich wusste nicht mehr weiter. Der Notarzt sprach mit ihr einige Zeit durch die geschlossene Tür. Offensichtlich beruhigte sie sich dadurch wieder.

Nachdem ich später selbst aggressiv wurde und ihr gegen das Bein trat, lösten wir die Wohngemeinschaft auf. Wenn jemand Borderline hat, ist es nicht leicht mit dem Zusammenleben. Nach einer monatelangen Kontaktlosigkeit fanden wir aber wieder zueinander. Sie war bis zu ihrem Tod meine beste Freundin. Die Erlebnisse der Wohngemeinschaft hatten uns zusammengeschweißt, es gab kein Geheimnis mehr.

Diese Geschichte ist mein zweiter Beitrag zu den abc.etüden vom Blog Irgendwas ist immer von Christiane. Diesmal geht es um die 36. und 37. Woche und es waren die Wörter „Verzweiflungstat“, „ambivalent“ und „hingeben“ zu verwenden. Von den maximalen 300 Wörtern habe ich alle 300 verwendet.