Mit dem Leiterwagen…

„Mit dem Leiterwagen sind sie in X-Dorf angekommen.“
Mit diesem Satz meiner Cousine kam ein neues Thema in mein Denken, zu dem ich mich bisher nicht zugehörig fühlte.

Wir sind verwandtschaftlich durch ihre Mutter und meinen Vater verbunden, die Geschwister sind. Ihr Vater wurde also „eingeheiratet“ und über diesen Familienzweig wusste ich bis dato nichts. Erst als der Geburtsort von ihm zur Sprache kam, änderte sich das, denn dieser lag in Schlesien.

Dort hatte die Familie gelebt, der Opa war gut begütert und hatte mindestens eine Magd. Aber dann war der Krieg zuende, die Besitzverhältnisse der Länder änderten sich und der Opa, seine Frau, deren Geschwister und alle Kinder mussten weg. Weg – das hieß, dass sie wirklich vertrieben wurden. Es wurde nicht etwa „Geht weg!“ gesagt und sie sollten sich ein neues Zuhause suchen, sondern sie wurden bewacht, dass sie wirklich schnell das Land verließen. Die Kinder des Opas waren damals 9, 6, 5 und 3 Jahre alt.

„Ab und zu durfte jemand aussteigen.“ Das war dann schon in Deutschland und bedeutete, dass eine Familie in dem Ort, durch den der Zug gerade ging, bleiben durfte. Dort begann ihr neues Leben. Für die Familie vom Opa war das X-Dorf. Für die Geschwister der Oma waren das ein Ort in Thüringen, einer bei München, einer im Ruhrgebiet. Die Familie wurde zerrissen.

Heute, wo die Oma schon länger tot ist, kennt niemand mehr ihre Geschwister. Die damaligen Kinder hatten keine Möglichkeit, ihre Onkel und Tanten richtig kennenzulernen, sie blieben immer fremde Leute.

Nun sitzen wir hier mit ganz vielen Namen und Daten und müssen doch einsehen: Dieser eine Familienzweig wird uns verborgen bleiben. Diese Namen kennen wir nicht, unser Andenken gilt Unbekannten. Und so sind wir irgendwie mit drin, in dieser Vertreibungsgeschichte. Der Krieg hat tiefe Wunden gerissen, die auch heute noch sichtbar sind.

„Die Sims“ gibt es heute seit 20 Jahren!

Na gut, eigentlich erstmal in Nordamerika, denn in Europa erschien es erst am 31. März 2000.

Bedauerlicherweise ist ein großes Unglück an der Entstehung dieses Spieles schuld, denn das Haus von „Sim City“-Erfinder Will Wright (Link zu Wikipedia) brannte im Oktober 1991 im Feuersturm von Oakland-Berkeley als eins der ersten von letztlich ca. 3000 ab.

„Der Oakland-Berkeley Firestorm im Jahr 1991 brachte für Will Wright, den Schöpfer von SimCity, eine bedeutende Wende. Der Brand vernichtete sein Zuhause, und Wright sah sich mit seinen Verlusten und materiellen Bedürfnissen konfrontiert. In Wright, der sich schon immer für Architektur interessiert hatte, wuchs die Idee für ein Spiel, in dem Spieler alltägliche Tätigkeiten simulieren und Häuser von Grund auf neu bauen können.“ (Quelle: „History of the sims“ von EA) So wurden die Sims als Spielfiguren geboren, obwohl es das Wort schon gab, denn 1989 erschien das ebenfalls von ihm erdachte und entwickelte Spiel „Sim City“, das aus einem Editor für ein ganz anderes Spiel hervorging und dessen Bewohner bereits „Sims“ hießen. Nun ging es also ins Detail.

Eigentlich ist das Spiel „Die Sims“ ein virtuelles Puppenhaus für alle Generationen. Es ging und geht nach wie vor darum, einzelne Bewohner oder auch Familien in ihren Vorstadthäusern zu beobachten, sie nach Wunsch zu lenken und ihrem virtuellen Leben gewissermaßen einen Sinn zu geben. Wer mag, baut das Haus selbst, gestaltet den Garten, richtet die Wohnräume ein und erstellt zu guter Letzt die Spielfiguren, die dann in dem Haus leben dürfen. Die Sims haben verschiedene Bedürfnisse (z.B. müssen sie auf’s Klo, essen und schlafen), müssen arbeiten und ihr Geld verdienen, mit dem Haus und Garten weiter ausgebaut und mit besseren Gegenständen versehen werden können.

Im Laufe der Zeit wurden bis heute insgesamt 4 „Die Sims“-Spiele entwickelt. Es kamen viele, viele, unmöglich alle aufzuzählende Erweiterungen dazu, wie Haustiere, Jahreszeiten, Magie, Urlaub, verschiedenste Berufe und natürlich eine unglaubliche Menge Frisuren, Klamotten, Einrichtungsgegenstände, Freizeitmöglichkeiten und sozialen Interaktionen.
Verbessert wurden von Ausgabe zu Ausgabe vor allem die Grafik und das Spielgeschehen, verändert einige Kleinigkeiten der Steuerung und gestrichen spielergänzende Sachen wie Feuerwehr, Einbrecher oder Autos.

Ich habe alle Nummern gespielt, davon die „3“ am wenigsten. Die AddOns hatte ich nicht alle, weil das v.a. bei den früheren Ausgaben unglaubliche Ladezeiten bedeutete.

Im Folgenden habe ich mal eine kleine Historie erstellt, denn auch ich kann ja auf 20 Jahre persönliches Spielgeschehen zurückblicken. Bei den Bildausschnitten kam es mir vor allem auf das Ring- oder Tortenmenü an, das Interaktionen mit Gegenständen oder Sims möglich macht. Interessant ist auch das Display im unteren Teil, das sich jedes Mal verändert (und bei mir für Verwirrung gesorgt) hat.

Die Sims 1 – 1989 – ein völlig neues Spielerleben und wie „Sim City“ vollkommen friedlich. Aufbau statt Zerstörung, das ist meine liebste Art zu spielen (die von Will Wright übrigens auch).

Die Sims 2 – 2004 – neue 3D-Grafik. Die Sims können alt und krank werden, sie haben nun Wünsche, für deren Erfüllung Belohnungspunkte gesammelt (und gegen besondere Dinge eingetauscht) werden können. Die AddOns kosteten leider unglaublich viel Ladezeit, da konnte man locker einen Kaffee kochen (und auch wieder wegbringen).

Die Sims 3 – 2009 – überarbeitete Grafik. Die Nachbarschaft ist offen, man kann die Nachbarn in ihren Häusern oder öffentliche Gebäude besuchen. Es gibt jetzt Gelegenheiten, bei denen Bonuspunkte gesammelt und eingetauscht werden können.

Die Sims 4 – 2014 – wiederum grundlegend überarbeitete Grafik. Es gibt nun Emotionen der Sims, die die Interaktionen unter den Sims erweitern. Außerdem sind die Sims multitaskingfähig geworden, was mitunter dazu führt, dass sie ihr Essen mit auf’s Klo nehmen und dort weiter speisen. Hm. Da ist es schon besser, wenn sie mit dem Essen vor dem Fernseher landen und ihr Spaßbedürfnis erfüllen, oder? Was es nicht mehr gibt: Das Festnetztelefon. Die Sims haben nur noch Handys. Tja. Der Wandel der Zeit.

Seit ein paar Tagen kursieren Aussagen über ein „Die Sims 5“, aber wahrscheinlich ist eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Solange sich die Kuh „Die Sims 4“ mit immer neuen AddOns und Accessoire-Packs melken lässt und die Grafik gut aussieht, gibt es keinen Grund für ein neues Spiel.

So, das war meine kleine Sims-Geschichte. Ich bin gespannt, was sich die Macher noch so einfallen lassen und wie sich das Spiel weiter entwickelt, denn eins steht fest: Seit 2009 ist Will Wright nicht mehr dabei und es bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen EA seine Vision weiter verfolgt.

Ich hoffe, dass euch dieser kleine persönlich angehauchte Rückblick gefallen hat.

Weiterführende Artikel:

Es war einmal in Tunesien

…da machte ich mit meiner damaligen, etwas abgedrehten Studienfreundin dort drei Wochen lang Urlaub. Weihnachten und Neujahr waren ein Erlebnis!

Tunesien war damals erst seit wenigen Jahren (zwei oder drei?) mit Tourismus in Berührung gekommen, entsprechend provisorisch war dort alles. Vor allem das Hotelessen, das bemüht europäisch und kaum genießbar war. Als Studenten hatten wir aber sowieso einen etwas verschobenen Tagesablauf, bewunderten in der Lobby den Sonnenaufgang über dem Meer und gingen dann ins Bett. Die Frühstückskellner bekamen uns jedenfalls nie zu sehen.

So um eins rum am Mittag wurden wir dann wach und machten uns langsam fertig. Wir hatten Halbpension gebucht, also gab es kein Mittagessen. Aber dafür gab es Ismail!

Ismail war ein Tunesier, der in Frankfurt studiert hatte und danach in seine Heimat zurückgekehrt war. Dort hatte er gegenüber des Hotelgeländes einen kleinen Imbiss eingerichtet. Es gab ein paar Vierertische ohne Decken, eine Theke, Fliesen an der Wand und sonst nichts. Oder… DOCH! Deutsche Musik und deutsches Essen! Und so gingen wir jeden Tag zu ihm (er machte 14 Uhr auf), aßen Salami- oder Truthahnbaguette zum „Frühstück“ und hörten Truck Stop. Ismail hatte sich eine Kassette aus Deutschland mitgebracht. Eine! Die lief dann immer.

An der Stelle seines Imbisses gibt es heute wohl ein Restaurant namens „Zum alten Fritz“ (mit Hinweis auf „Ismail’s“ im Reiseführer), noch immer mit deutscher Küche. Auf Google Maps befindt sich an dieser Stelle das „Berliner Restaurant“, aber welches nun aktueller ist (die Maps oder der Reiseführer), weiß ich nicht. Auf jeden Fall scheint was aus Ismail geworden zu sein – im Gegensatz zu dem Hotelkomplex gegenüber, der inzwischen abgerissen ist. Ich habe mich bei beiden wohl und willkommen gefühlt und freue mich, dass es Ismail offensichtlich noch gibt!

Übrigens haben wir auch gerne tunesisch gegessen (wobei es ab und zu ein bisschen sehr scharf war). Couscous in allen möglichen Varianten und einige für mich undefinierbare Mahlzeiten waren äußerst spannend! Am Abend. Nach unserer regelmäßig zu späten Nachtruhe bot sich aber das Frühstück bei Ismail an. Der Weg in die Stadt war zum Laufen viel zu weit! Faules Studentenpack…

In der Erinnerung an Tunesien und an Ismail kommen jetzt zwei Lieder, die dort für mich eine große Rolle gespielt haben.

So, jetzt die Lieder! Erstmal eins, das in jeder Disco und auf jedem Markt und eigentlich überall gespielt wurde:
Cheb Khaled – Didi

Und dann, mit freundlichsten Gedanken an die alten Zeiten bei Ismail:
Truck Stop – Ich möcht‘ so gern Dave Dudley hör’n

Tunesien hat bleibende Eindrücke hinterlassen und ist so ein Thema (in drei Wochen kann viel passieren), da komme ich bestimmt nochmal drauf zurück!

Technik…

Nachdem ich gestern abend ein ziemlich unbekanntes Lied im Internet gefunden hatte, das ich fast schon vergessen hatte, sich aber auch im tiiiefen Fundus meiner selbst bespielten Kassetten (MC’s, Musikkassetten, vorsintflutlich, benutzt keiner mehr) befand, kam ich auf die sagenhafte Idee, meine teilweise 35 Jahre alten(!) Schätze an Liedern im Internet zu finden und mir dafür Playlists zu erstellen (für jede Kassette eine.)

Leider war das damals mit dem Beschriften der Kassettenhüllen nicht so einfach – bei manchen Titeln war mir und meinen Bekannten einfach nicht bekannt, wie sie hießen. Und Englisch konnte eh kaum einer. (Anmerkung: erschwerte Bedingungen, DDR!)

Also kam ich auf die sagenhafte Idee, für solche bisher unbekannten Titel mein ca. 25 Jahre altes, noch vorhandenes Diktiergerät (die Batterien von vor 10 Jahren funktionieren sogar noch) herauszukramen, bis zu dem gesuchten Lied zu spulen und das moderne Shazam zu benutzen. Ha! Funktionierte ganz toll – beim ersten Lied. (obwohl es fürchterlich leierte)

Als ich das nächste Lied hinspulen wollte, machte mir der schnelle Vorlauf einen Strich durch die Rechnung. Die Kassette war „fest“ und ließ sich nicht mit dem Gerät spulen. Was tat man früher?

Klar, Bleistift rein und nein, nicht vorsichtig „das Band aufgewickelt“ (über diese Beschreibung lache ich immer wieder), sondern die Kassette in der Luft rumgewirbelt. Schön gleichmäßig, möglichst nicht aus dem Takt kommend. Dauerte „etwas“ länger, aber ging! (Das ist der oft postulierte Zusammenhang zwischen Bleistift und Kassette, den junge Leute nicht mehr verstehen, aber ehrlich: Mit den Druckbleistiften früher ging es besser!)

In dem Moment kam E. dazu, guckte kurz, was ich machte, und grinste: „Willkommen im 21. Jahrhundert!“ Da war es mit dem Takt freilich erstmal vorbei. (Bin ich schon sooo alt?!)

Nachdem ich mich nach meinem Lachanfall wieder beruhigt hatte, kam ich auf die sagenhafte Idee, die alte Stereoanlage in der Schrankwand zu benutzen. Die hat gleich zwei Laufwerke für Kassetten, da funktionierte auch der schnelle Vorlauf.

Trotzdem war es eine Zeitreise – die Aufnahmen sind so alt und schlecht, die Lieder teilweise heute unbekannt und doch damals Bestandteil des Alltags (ich erinnere mich an so einige Bus- oder Straßenbahnfahrten mit Walkman), dass ich direkt wieder in diese Zeit zurückversetzt wurde – bis ich wieder am PC saß, das Video aufrief und im Hier und Jetzt landete.