Wörter und Worte: „durch die Lappen gehen“


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Wem ist nicht schonmal eine Gelegenheit durch die Lappen gegangen? Ein Schnäppchen nicht bekommen, einen Gewinn verpasst, einen Termin nicht rechtzeitig mitbekommen… Kennt wohl jeder, doch woher kommt’s?

Die Lösung ist bei der Jagd zu finden. Wenn mehrere Jäger das Wild zunächst in eine Richtung trieben (damit es später an einer günstigeren Stelle leichter erlegt werden konnte), versperrten sie manche Stellen durch Seile, an denen Lappen hingen. Das Wild schreckte vor den unbekannten Erscheinungen (die sich manchmal im Wind bewegten) zurück und lief meist in die von den Jägern gewollte Richtung. Aber nicht alle Tiere ließen sich verwirren, manche rannten in der Panik trotzdem durch die Lappen und retteten damit ihr Leben. Aus Sicht der Jäger war es natürlich nicht gut, wenn ihnen das Wild „durch die Lappen ging“, und so hat das Sprichwort negativen Sinn behalten.

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Gefunden: Wort der Woche von Wasserblock – „Dörrleiche“

Dieser Beitrag trifft absolut mein Sprachzentrum. „Dörrleiche“ habe ich noch nie gehört! Aber man lernt ja nie aus…

Dörrleiche Hintergrund zu diesem coolen Wort: Es gab in der Vergangenheit (in diesem Fall 18. Jhdt.) Bemühungen, eingewanderte Wörter aus anderen Sprachen (=Fremdwörter) durch deutsche Ausdrücke zu ersetzen (deutscher Sprachpurismus). Dörrleiche wurde von dem deutschen Sprachforscher Joachim Heinrich Campe vorgeschlagen, um das Fremdwort „Mumie“ zu ersetzen (Letzteres im 16. Jhdt. von ital. mummia entlehnt (gleichbedeutend […]

über Wort der Woche — Wasserblock

Wörter und Worte: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“


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Heißt es nun „mahlt“ oder „malt“? Bloggerin Jaqueline verlinkte vor einigen Tagen eine Seite (bezüglich eines anderen Sprichworts), deren Redakteure das mit dem Ma(h)len auch nicht zu wissen scheinen. Es herrscht wohl eine gewisse Unsicherheit. Ich danke Jaqueline für die ungewollte Inspiration zu diesem heutigen Beitrag!

Als ich noch klein war, dachte ich immer, wer früh kommt, hat noch viel Zeit zum Malen, bevor der normale Tagesablauf losgeht. Aber natürlich ist das nur ein Kindergedanke.

Tatsächlich ist dieses Sprichwort schon sehr, sehr alt und handelt von einer Mühle und damit von dem Mahlen, mit h. Irgendwann zwischen den Jahren 1220 und 1235 wurde es zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Damals wurde es noch in Mittelniederdeutsch geschrieben und hieß

Die ok irst to der molen kumt, die sal erst malen.

Das bedeutet relativ wörtlich:
„Der (zu)erst zu der Mühle kommt, der soll (zu)erst malen.“
Daraus wurde im Laufe der Jahre das geflügelte Wort, das wir heute kennen, auch wenn der Bezug zur Mühle, wie wir gesehen haben, langsam in Vergessenheit gerät.

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Festgelegt wurde diese Regel im Zuge einer ganzen Mühlenordnung, die zusammen mit anderen Regeln und Gebräuchen, eben dem damaligen Recht, erstmals niedergeschrieben wurde. Der „Sachsenspiegel“ (er spiegelte das geltende Recht im damaligen Sachsen wieder) ist eins der beiden ältesten bekannten Rechtsbücher im deutschen Mittelalter.

Müller galten damals als „unehrlich“, d.h. sie waren ehrlos. Ihnen wurde nachgesagt, sie würden falsch wiegen, falsch bezahlen, betrügen, das Mehl verunreinigen (strecken) und gewisse Leute bevorzugen (z.B. Fürsten oder wer sonst von höherem Stand war und nützlich sein könnte). Einfach einen anderen Müller aufsuchen konnte man nicht, denn es galt ein Mahlzwang. D.h. alle Untertanen eines Grundherren durften nur dessen Mühle benutzen.

In der Mühlenordnung wurde nun streng festgelegt, welche Rechte und Pflichten ein Müller einzuhalten hatte. Nach der Festlegung der Regel „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ mussten sich auch die Bediensteten der Fürsten hinten anstellen und warten, bis sie an der Reihe waren.

Wörter und Worte: „Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen“


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Wer kennt es nicht, dieses Sprichwort? Kaum sieht einer eine Spinne, ordnet er sie in die Tageszeit ein und weiß sodann, ob sie ihm Glück bringen wird oder nicht.
„Spinne am Morgen – Kummer und Sorgen.
Spinne am Abend – erquickend und labend.“

Moment mal. Erquickend und labend? Was an einer Spinne sollte denn bitteschön gut tun?
Spätestens an dieser Stelle müsste man eigentlich drauf kommen, dass mit der Spinne etwas nicht stimmen kann. So ist es auch!

In dem Sprichwort geht es um die Bedeutung des Spinnens, das als Grundlage für sämtliche gewebte Kleidung einmal eine große Bedeutung in unserer Gesellschaft hatte.

Bei armen Leuten, die kaum oder nur wenig Einkommen hatten, musste die Frau bereits am frühen Morgen am Spinnrad sitzen, um durch das gesponnene Garn einen (Zu-)Verdienst zu erwirtschaften.
Wer morgens schon spinnen musste, hatte oft Kummer und Sorgen, denn er war in Not.

Wer dagegen erst abends spann, tat das meist als freiwilligen Zuverdienst und in Gesellschaft. Die Frauen trafen sich und während gesponnen wurde, konnten sie tratschen und klatschen und sich über Neuigkeiten austauschen.
Spinnen am Abend war eine entspannende und oft unterhaltsame Angelegenheit – erquickend und labend.


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