Wörter und Worte: „Sauer macht lustig!“

Bild von rawpixel auf Pixabay, Bearbeitung von mir

„Guck doch nicht so miesepetrig. Beiß mal in eine Zitrone, dann kannst du lachen!“ – Also im Ernst, ich habe schon viele verzogene Gesichter gesehen, wenn etwas zu sauer war. Man konnte als Außenstehender auch sicher über diese Mimik lachen, aber sollte das der tatsächliche Zusammenhang in diesem Sprichwort sein? Wieso sollte sauer lustig machen?

Bild von Ryan McGuire auf Pixabay

Wie immer ist es etwas anders, als man denkt. Es geht zwar tatsächlich um saures Essen, aber nicht um die heute bekannte Lustigkeit, bei der man lacht.

Gemeint ist die Ess-Lust, die angeregt wird, wenn man etwas Saures ist. Säuren haben eine positive Wirkung auf die menschliche Verdauung, weshalb sie oft in Mahlzeiten verwendet werden. Sauerbraten, Sauerkraut und süß-saure Soße kennen sicherlich alle. In Restaurants, auf Buffets oder auch zu Hause gibt es Salate, die mit Essig (sauer) und Öl angemacht sind. Oder es gibt auf belegten Broten sauer eingelegte Gürkchen. Die Palette der sauren oder säuerlichen Essen(sbestandteile) ist vielfältig. Und wie wir jetzt wissen, gesund und appetitanregend.

Ursprünglich sagte man dazu, man wird „esslustig“. Irgendwann ließ man den Zusammenhang mit dem Essen weg, weil ohnehin jeder wusste, was gemeint war. Im Laufe der Zeit verlor sich dieses Wissen jedoch und es blieb dieses etwas seltsame Sprichwort „sauer macht lustig“.

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Wörter und Worte: „Iss auf, dann wird morgen schönes Wetter!“

Bild von rawpixel auf Pixabay, Bearbeitung von mir

Welches Kind musste nicht schon diesen Satz hören, wenn es eigentlich satt war oder keine Lust mehr auf das Essen hatte und nur noch darin herumstocherte? – Zugegeben, mir war das Wetter egal, ich wollte aufhören dürfen zu essen!

Und überhaupt: Was hatte das Wetter mit dem Essen zu tun? Und was war, wenn ich aufgegessen hatte, meine Schwester neben mir aber nicht? – Wetterchaos?

Die Erklärung ist ziemlich einfach und beruht auf einem Verständnisfehler.

Der Originalsatz stammt aus dem Plattdeutschen und lautet: „Et dien Töller leddig, dann givt dat morgen goods wedder!“ – „Iss deinen Teller leer, dann gibt es morgen Gutes wieder (wieder etwas Gutes)!“ Also wenn man nicht aufgegessen hatte, bekam man am nächsten Tag den Rest nochmals vorgesetzt. Anderenfalls wurde neu gekocht – „etwas Gutes“.

Für jemand Fremdes, der kein Plattdeutsch versteht, hörte sich das sehr stark nach „Wetter“ an! Und so nahm irgend jemand diese vermeintliche Weisheit mit nach Hause und verbreitete sie dort. In der Folge wurde Kindern eingeredet, sie könnten das Wetter beeinflussen.

Heute sieht man das zum Glück etwas anders und vorzeitig satt zu sein, ist nicht mehr schlimm. Stattdessen ist es ein Kompliment für den Koch, wenn der Teller leer gegessen wurde, denn dann hat es offensichtlich geschmeckt.

Bild von congerdesign auf Pixabay, bearbeitet von mir

Der Satz des Tages

„Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern.“

Ich habe einige Schriftarten in Word ausprobiert.
Das ist der Beispielsatz.
Alle Buchstaben des Alphabets sind enthalten, weshalb er für einen derartigen Test gut geeignet ist.
Es waren aber ziemlich viele Schriftproben und für den Rest des Tages möchte ich von Franz nun lieber nichts mehr wissen.

Wörter und Worte: „Das passt auf keine Kuhhaut“

Bild von rawpixel auf Pixabay, Bearbeitung von mir

Wahrscheinlich hat diesen Spruch jeder von euch schonmal gehört, wenn es darum ging, dass etwas Unglaubliches passiert ist. Eine Begebenheit, die so verworren und verwoben ist, dass sie sich kaum erzählen lässt. Oder jemand tut wiederholt etwas, das er eigentlich nicht soll. Letztens habe ich in einem Beitrag selbst davon gesprochen, dass meine Arztgeschichte auf keine Kuhhaut passt.

Aber wie kommt man eigentlich zu so einer Formulierung? Was hat die arme Kuh mit ihrer Haut damit zu tun?

Irgendwann in grauer Vorzeit, als das Papier noch nicht erfunden oder noch nicht für’s einfache Volk zu haben war, hat man auf Pergament geschrieben. Pergament sind speziell behandelte Häute von zumeist Ziegen, Schafen oder Lämmern. Kühe waren nicht dabei, solche großen Häute (ca. 6 Quadratmeter) wären auch zu unhandlich gewesen.

Aber hier kommt – der damaligen Zeit gemäß – der Teufel ins Spiel. Man glaubte, dass der Teufel für jeden Menschen eine Liste führen würde, auf der alle Sünden aufgeschrieben seien. Bei sehr bösen Menschen brauchte er auch sehr viel Platz, deshalb musste die Haut so groß wie möglich sein und das war – damals unglaublich groß – die Kuhhaut. Es war kaum vorstellbar, dass jemand so viele Sünden begehen konnte, dass die nicht da drauf passten. Das war einfach unerhört!

Diese Bedeutung hat sich bis heute erhalten, obwohl dabei wahrscheinlich niemand mehr an den Teufel denkt.


Bild von Henryk Niestrój auf Pixabay

Wörter und Worte: „sein Scherflein dazu beitragen“


Bild von rawpixel auf Pixabay, Bearbeitung von mir

„Jeder muss sein Scherflein dazu beitragen.“ Das hat man schon gehört. Und wer sich in der Bibel etwas auskennt, dem ist vielleicht die Geschichte bekannt, bei dem eine alte Frau zwei Scherflein und damit ihren ganzen Besitz spendet (Luther 1912, Lukas 21.1).

Aber – was ist ein Scherflein? Ist es ein älteres Wort für Schäflein? Oder vielleicht ein Holzbündel? Nein, das ist hier nicht gemeint.

Ein Scherflein ist eine Verkleinerung von etwas ohnehin Kleinem, und zwar einem Scherf. Der Scherf war eine Münze! Er existierte im Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein und war noch weniger wert als ein Pfennig, genau die Hälfte. Das war so wenig, dass kaum einzelne Scherfmünzen geprägt wurden. Meist gab es sie in 3-er, 6-er oder 12-er Prägung. Eine Einer-Münze war dann wirklich nur ein „Scherflein“ und es ist fraglich, ob man damit überhaupt etwas bezahlen konnte.

Übrigens geht das Sprichwort „Das ist keinen Deut besser“ auch auf Geld zurück. Der Deut war niederländisches Geld, 1 1/12 deutsche Pfennige wert und offenbar so bekannt, dass das niederländische Sprichwort im Deutschen bekannt wurde.