Wörter und Worte: „Das passt auf keine Kuhhaut“

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Wahrscheinlich hat diesen Spruch jeder von euch schonmal gehört, wenn es darum ging, dass etwas Unglaubliches passiert ist. Eine Begebenheit, die so verworren und verwoben ist, dass sie sich kaum erzählen lässt. Oder jemand tut wiederholt etwas, das er eigentlich nicht soll. Letztens habe ich in einem Beitrag selbst davon gesprochen, dass meine Arztgeschichte auf keine Kuhhaut passt.

Aber wie kommt man eigentlich zu so einer Formulierung? Was hat die arme Kuh mit ihrer Haut damit zu tun?

Irgendwann in grauer Vorzeit, als das Papier noch nicht erfunden oder noch nicht für’s einfache Volk zu haben war, hat man auf Pergament geschrieben. Pergament sind speziell behandelte Häute von zumeist Ziegen, Schafen oder Lämmern. Kühe waren nicht dabei, solche großen Häute (ca. 6 Quadratmeter) wären auch zu unhandlich gewesen.

Aber hier kommt – der damaligen Zeit gemäß – der Teufel ins Spiel. Man glaubte, dass der Teufel für jeden Menschen eine Liste führen würde, auf der alle Sünden aufgeschrieben seien. Bei sehr bösen Menschen brauchte er auch sehr viel Platz, deshalb musste die Haut so groß wie möglich sein und das war – damals unglaublich groß – die Kuhhaut. Es war kaum vorstellbar, dass jemand so viele Sünden begehen konnte, dass die nicht da drauf passten. Das war einfach unerhört!

Diese Bedeutung hat sich bis heute erhalten, obwohl dabei wahrscheinlich niemand mehr an den Teufel denkt.


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Wörter und Worte: „sein Scherflein dazu beitragen“


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„Jeder muss sein Scherflein dazu beitragen.“ Das hat man schon gehört. Und wer sich in der Bibel etwas auskennt, dem ist vielleicht die Geschichte bekannt, bei dem eine alte Frau zwei Scherflein und damit ihren ganzen Besitz spendet (Luther 1912, Lukas 21.1).

Aber – was ist ein Scherflein? Ist es ein älteres Wort für Schäflein? Oder vielleicht ein Holzbündel? Nein, das ist hier nicht gemeint.

Ein Scherflein ist eine Verkleinerung von etwas ohnehin Kleinem, und zwar einem Scherf. Der Scherf war eine Münze! Er existierte im Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein und war noch weniger wert als ein Pfennig, genau die Hälfte. Das war so wenig, dass kaum einzelne Scherfmünzen geprägt wurden. Meist gab es sie in 3-er, 6-er oder 12-er Prägung. Eine Einer-Münze war dann wirklich nur ein „Scherflein“ und es ist fraglich, ob man damit überhaupt etwas bezahlen konnte.

Übrigens geht das Sprichwort „Das ist keinen Deut besser“ auch auf Geld zurück. Der Deut war niederländisches Geld, 1 1/12 deutsche Pfennige wert und offenbar so bekannt, dass das niederländische Sprichwort im Deutschen bekannt wurde.

Wörter und Worte: „durch die Lappen gehen“


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Wem ist nicht schonmal eine Gelegenheit durch die Lappen gegangen? Ein Schnäppchen nicht bekommen, einen Gewinn verpasst, einen Termin nicht rechtzeitig mitbekommen… Kennt wohl jeder, doch woher kommt’s?

Die Lösung ist bei der Jagd zu finden. Wenn mehrere Jäger das Wild zunächst in eine Richtung trieben (damit es später an einer günstigeren Stelle leichter erlegt werden konnte), versperrten sie manche Stellen durch Seile, an denen Lappen hingen. Das Wild schreckte vor den unbekannten Erscheinungen (die sich manchmal im Wind bewegten) zurück und lief meist in die von den Jägern gewollte Richtung. Aber nicht alle Tiere ließen sich verwirren, manche rannten in der Panik trotzdem durch die Lappen und retteten damit ihr Leben. Aus Sicht der Jäger war es natürlich nicht gut, wenn ihnen das Wild „durch die Lappen ging“, und so hat das Sprichwort negativen Sinn behalten.

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Gefunden: Wort der Woche von Wasserblock – „Dörrleiche“

Dieser Beitrag trifft absolut mein Sprachzentrum. „Dörrleiche“ habe ich noch nie gehört! Aber man lernt ja nie aus…

Dörrleiche Hintergrund zu diesem coolen Wort: Es gab in der Vergangenheit (in diesem Fall 18. Jhdt.) Bemühungen, eingewanderte Wörter aus anderen Sprachen (=Fremdwörter) durch deutsche Ausdrücke zu ersetzen (deutscher Sprachpurismus). Dörrleiche wurde von dem deutschen Sprachforscher Joachim Heinrich Campe vorgeschlagen, um das Fremdwort „Mumie“ zu ersetzen (Letzteres im 16. Jhdt. von ital. mummia entlehnt (gleichbedeutend […]

über Wort der Woche — Wasserblock