Augenarzt 2021

Nach einem Jahr war es mal wieder soweit – Termin beim Augenarzt. Ich muss da ja regelmäßig hin, weil meine Medikamente, die ich nach der Nierentransplantation lebenslang nehmen muss, auch Auswirkungen auf die Augen haben können.

Am Anfang hatte ich z.B. ziemlich hoch dosiertes Cortison über einige Monate – das hat bei mir Grauen Star ausgelöst. Inzwischen ist das Cortison aber auf eine ganz kleine Dosis reduziert und seitdem hat sich nix mehr verschlimmert.

Trotzdem ist der Gang zum Augenarzt immer ein ziemliches Nervenspiel für mich. Ich mag nicht alleine da hingehen, um nicht eine schlechte Nachricht ohne Unterstützung ertragen zu müssen. Das hatte ich ja schonmal… E. war also dabei.

Aber auch so gehe ich nie alleine zum Augenarzt. Die Untersuchungen sind teilweise so unangenehm für mich, dass sie Kopfschmerzen oder gar Migräne auslösen können. Und wenn diese tollen Tropfen zum Erweitern der Pupillen zum Einsatz kommen, kann ich erstens nicht Auto fahren und zweitens den restlichen Tag komplett abschreiben und im Bett verbringen.

Heute waren „nur“ Lichtblitze dran, die Auswirkungen haben sich aber sofort bemerkbar gemacht. Bisher bleibt es zum Glück bei normalen Kopfschmerzen.

Und es gibt Entwarnung: Es hat sich nichts verschlechtert! Puh!

Also weiter geht’s mit Hornhautverkrümmung und beginnendem Grauen Star. Status quo – damit kann ich leben!

Hals-, Nasen- und Ohrenarzt

Anfang der Woche hatte ich wiedermal einen Kontrolltermin, diesmal beim HNO. Ich muss ja immer zu einer Menge Fachärzte, die abklären sollen, ob sich irgendwo eine Entzündung oder vielleicht sogar Krebs bildet.

Früher war ich bei einem anderen HNO, damals hatte ich eine Nebenhöhlenentzündung und der Arzt erzählte gleich von einer Operation, um die zu beseitigen, wenn sie hartnäckig sein sollte. Hä? Ich war gerade frisch transplantiert und hatte eine Wundheilungsstörung – da redet der von einer OP wegen sowas? Ich bin nie wieder hingegangen.

Den anderen kenne ich nun schon eine ganze Weile, war aber erst zweimal da. Das soll sich nun ändern, denn auch da muss Regelmäßigkeit rein.

Bei diesem Arzt fühle ich mich wirklich wohl, er ist sehr nett, hört zu, macht keinen Stress, kontrolliert aber auch alles (guckt halt in alle Löcher). Und da er nix gefunden hat, war das am Ende mal ein sehr angenehmer Besuch!

Ach ja, komischerweise kommt bei allen Ärzten das Thema „Impfstoff“ zur Sprache. Dieser erzählte mir, dass ein Grippeimpfstoff normalerweise an ca. 20.000 Probanden getestet wird. Der gegen Corona dagegen (sind ja zwei) an 30.000 und 40.000. Soviel zum Thema „ist nicht genug getestet“, was ich in den letzten Wochen immer wieder gehört habe.

Habt alle einen guten Tag und bleibt gesund!

3 Jahre

So lange sind wir heute zusammen.

Gestern abend vor 3 Jahren um ca. 21.30 Uhr erhielt ich den Anruf, auf den jeder wartet, der ein Organ benötigt.
Heute morgen vor 3 Jahren um 3 Uhr sah ich ein letztes Mal vor der OP auf die Uhr.
Heute mittag um 13 Uhr sah ich zum ersten Mal wieder auf die Uhr.
Ich erwachte mit großen Schmerzen, aber als die gelindert waren, wurde mir bewusst: „Jetzt ist sie ein Teil von mir!“

Meine Niere Heidi. 🙂

Ihr seht hier einen Ultraschall, der links die transplantierte Niere zeigt. Am besten ist, man konzentriert sich nur auf die Umrisse. Im Inneren der Niere befindet sich viel „Gekrösel“, das macht die Aufnahme etwas undurchschaubar.

Das Dunkle rechts daneben ist eine der Komplikationen, die bei solchen Transplantationen möglich sind, eine sogenannte Lymphozele. Also eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit, die mir zum Glück keinen Ärger bereitet. Also kann sie bleiben.

Heidi und ich haben schwierige Zeiten durch und erst jetzt, nach diesen 3 Jahren, pendeln sich die Blutwerte langsam ein. Meine Psyche hat von der Nierenerkrankung an sich, aber nach der Transplantation auch vom Umgang mit den Ärzten bzw. der Ärzte mit mir, einigen Schaden davongetragen. Ich arbeite daran, diesen zu „reparieren“.

Meiner Spenderin bzw. ihrer Familie zolle ich großen Respekt für ihre Entscheidung, ihre Organe für jemanden wie mich zu spenden. Diese Einstellung entspricht absolut meiner eigenen!
Die Lebensqualität ohne Dialyse ist eine wesentlich höhere und das genieße ich sehr!

Zahnarzt

Einen Haufen Zähne habe ich verloren. Weil ich soviel Angst hatte. Weil mir als Kind beim Zahnarzt was Schlimmes passiert ist und mein Vertrauen nach dem ersten Besuch nicht mehr vorhanden war. Weil ich auch nachher immer mies behandelt wurde. Weil ich nie eine Spritze bekam. Weil ich als Versager hingestellt wurde. Weil ich die Schmerzen nicht aushalten konnte.

So ging ich als Erwachsene immer erst zum Zahnarzt, wenn der Zahn so hinüber war, dass er gezogen werden musste. Vor dem Schrecken ohne Ende wählte ich das Ende mit Schrecken.

Bis ich eine nette Krankenschwester traf, die mir ihren Zahnarzt empfahl.

„NUR REINGUCKEN! NIX MACHEN! GAR NIX!“
Das war bei unserem ersten Zusammentreffen (er hat sich dran gehalten!) und der Auftakt für eine ganze Reihe von Besuchen bei diesem Zahnarzt. Er brachte in Ordnung, was andere Kollegen übrig gelassen hatten. Ein Zahn mit Wurzelbehandlung musste letztlich doch gezogen werden, wegen der Transplantation. Dafür kann er nix. Der Rest war einfach nett und lieb und genauso, wie man das als Angsthase wie ich brauchte.

Heute war ich wieder da. Alle halbe Jahre muss ich seit der Transplantation hin.
Rauf auf den Stuhl, Zahnstein weg, Kontrolle, runter vom Stuhl. Tschüß!
Der kürzeste Zahnarztbesuch meines Lebens.

Ich liebe es!!!

Für die Etüden: Barfuß zurück ins alte Leben

Es war in einem vorigen Leben, so kommt es mir jedenfalls vor.
Dieses Leben war vor meiner Nierentransplantation. Nach dieser musste ich starke Medikamente nehmen, die Infekte und Wundheilungsstörung förderten. Und Ängste in mir erzeugten.

Früher, da habe ich gern die Natur genossen und bin, so oft es ging, barfuß gelaufen.
Diese Verbindung zwischen meinen Füßen und dem Boden – die war einfach harmonisch, sie hat mich geerdet und mich zu einem Teil der Natur gemacht.

Dann kam die Transplantation und mit ihr kamen die Ängste.
Wegen möglicher Verletzungen bin ich seit zweieinhalb Jahren nicht mehr ohne Schuhe gelaufen.
Mir fehlt dieses ursprüngliche Gefühl von damals, ich kann ein Stück von mir nicht leben.

Ich wünsche mir, dass ich diese Angst besiegen und wieder das warme, stachlige, erdige oder steinige Gefühl an den Füßen spüren und genießen kann.

Davon abgesehen, dass diese Geschichte gerade jetzt im Sommer total meiner Gefühlslage entspricht, ist diese auch mein erster Beitrag zu den abc.etüden vom Blog Irgendwas ist immer. Diesmal geht es um die 28. und 29. Woche und es waren die Wörter „Füße“, „harmonisch“ und „wünschen“ zu verwenden. Von den maximalen 300 Wörtern habe ich 137 verwendet.